Trude Friedrich:
Blütenlese, 2005


Kindergarten - Burgauerstraße 58
Architekt: Veronique Stecher
 

Einzelwerk
   

Vier Eisengussplatten, je 40 x 40 cm, farbig lackiert.



Manchmal liegen Realität und Abbild ganz nah nebeneinander – so wie in Trude Friedrichs „Blütenlese“. Vier lackierte Flachreliefs aus Gusseisen hat die Münchner Künstlerin zwischen den Betonplatten der Terrasse des Daglfinger Kindergartens verlegt. Mit den Repliken von Blumen darauf, wie sie auch in der angrenzenden Wiese sprießen können: Gänseblümchen, Vergissmeinnicht, Mohn und Löwenzahn. In leuchtendem Rot, Blau, Gelb und Weiß setzen sie farbenfrohe Akzente im Grau der Terrassenfließen. „Ich habe die Blüten realistisch nachgebildet,“ sagt Trude Friedrich, „damit man sie mit ihren Vorbildern auf dem Rasen vergleichen kann.“
Das kann ist ihr sehr wichtig – denn pädagogischer Mehrwert steht nicht im Vordergrund. Ob die Kinder der Beschaffenheit der blühenden Imitate auf den Grund gehen wollen, sie vielleicht zählen, anfassen oder auch links liegen lassen – Möglichkeiten gibt es viele und alle sind erlaubt.
Mit „Blütenlese“ folgt Trude Friedrich einmal mehr ihrem Konzept, Gegenstände des Alltags aus atypischem Material detailgetreu zu replizieren, ihrem angestammten Kontext zu entreißen und dadurch vermeintliche Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen oder neue Betrachtungsweisen zu ermöglichen. Oft mit bemerkenswerten Parallelen zur abgebildeten Realität. Sollten die Eisenblumen nämlich eines Tages ihren Lack verlieren, werden sie rosten und verwittern – oder sollte man sagen: verwelken?

Matthias Supé

Fotos: Wilfried Petzi