Kiki Smith:
Starbush, 2005


Café Petuelpark - Klopstockstraße 10
(Ecke Barlachstraße)
Architekt: Uwe Kiessler
 

Einzelwerk

Teil des Projekts: KUNSTPROJEKT PETUELPARK
   





„Ich entdecke, dass ich die Sprache einer Disziplin nehme und sie mit meinem persönlichen Leben kreuze, also ein System über ein anderes legen kann“ hat die amerikanische Bildhauerin Kiki Smith einmal ihre künstlerische Arbeit kommentiert. Für die große Seitenwand im Obergeschoss des Cafés im Petuelpark hat sie eine dreiteilige Wandarbeit geschaffen, die den Besucher in die Welt der Phantasie und des Traums zu entführen suchen: Zwei Sternenkonstellationen rahmen die Darstellung eines Rosenbusches, so als würde der Betrachter nachts neben dem Busch stehen und in den klaren Sternenhimmel schauen. Die Künstlerin öffnet damit den Innenraum der Architektur in den Außenraum des Petuelparks
Ausgangsmaterial der Reliefs von Kiki Smith sind Bronzeplatten, deren Umriss- und Binnenzeichnung mit Wasserstrahl unter hohem Druck bearbeitet werden. Anschließend wird das Material so nachbehandelt, dass eine grünliche Patina die Oberfläche belebt und die Materialästhetik der Bronze in den Hintergrund tritt. Die Formensprache dieser neuen Werkserie der Künstlerin sind den unterschiedlichsten historischen oder literarischen, wissenschaftlichen oder kunstgeschichtlichen Quellen entnommen und werden daraufhin mit der eigenen, persönlichen Gedankenwelt vermischt: Anatomische Untersuchungen, mittelalterliche Darstellungen, Gegenstände und Objekte aus verschiedensten Kulturen, Mythologien und Religionen, wobei sich Kiki Smith oftmals auf weibliche Themenfelder konzentriert und diese abstrakt-geometrisch oder gegenständlich-figürlich umsetzt.
Die Wandarbeit dagegen gibt bewusst keine Antwort auf die Frage, die sie stellt: Was genau ist dargestellt? Was ist damit gemeint? So ist der Besucher des Cafés im Petuelpark auf sich gestellt, aufgefordert, diese Frage selbst zu beantworten, ein eigenes, persönliches System also – wie die Künstlerin es formuliert hat – der Antworten und Deutungen, der Assoziationen und Träume zu entwickeln: So entsteht eine eigene Gedankenwelt zwischen Erde und Himmel, zwischen der Objektivität und der Subjektivität, ein neues kosmologisches System mit einer ebenso authentischen wie intimen Erzählform.

Florian Matzner

Fotos: Wilfried Petzi