Brigitte Schwacke:
Diskus, 2004


Grundschule, Sporthalle - Eversbuschstraße 182
Architekt: Architekturbüro Kubuschok
 

Einzelwerk
   

Holz lasiert, 170 cm Durchmesser
Flugspur: ca. 600 cm



Eine übergroße, gelbe Diskusscheibe steckt in der hohen Wand, die das Treppenhaus mit Eingangsfoyer und die Turnhalle der Grundschule voneinander trennt. Die Wucht des Wurfs war so groß, dass die Flugspur der Scheibe eine tiefe Kerbe in den Putz geschnitten und so das Ziegelsteinmauerwerk freigelegt hat. Eine seltsame Szenerie: Ebenso elegant wie gewaltvoll scheint ein unsichtbarer Riese diesen monumentalen Diskus geworfen zu haben, der einem Himmelskometen gleich in das Innere der Schule eingeschlagen ist – ein Spiel mit kindlicher Fantasie, mit nächtlichen Träumen.
Der 1,70 Meter große Diskus, olympische Disziplin seit den historischen Anfängen, scheint nicht durch Zufall gerade an dieser Mauerecke stecken geblieben zu sein. Ganz real durchdringt er die Wand, schlägt so eine Brücke zwischen Schul- und Sportbereich. Ein großer Teil der Scheibe begegnet den Schülern gleich im Eingangsbereich: Ganz nah schwebt sie über ihren Köpfen. Das verbleibende Viertel dagegen ist in etwa fünf Meter Höhe im Innern der tiefer liegenden Turnhalle sichtbar. Als Ganzes erfahrbar wird der Diskus aber nur an der Schnittstelle beider Räume, also auf der Schwelle der Eingangstür zur Turnhalle, wenn der Betrachter einmal nach links und wieder zurück nach rechts wippt – ein Spiel mit Wahrnehmung von Architektur und Skulptur aber auch Schule des Sehens von Raum und Zeit.
Ein eigentlich abstrakter und kurzlebiger Vorgang – das Fliegen und Landen eines Diskus – wird plötzlich konkret ablesbar und gleichsam verewigt, das Banale zum Besonderen, das Unwichtige zu einer bedeutungsvollen Geste. So hat es die Künstlerin verstanden, nicht nur den Ort, die Sporthalle, sondern auch die Rezipienten, die Kinder, aktiv in ihr Werk einzubinden. Als eine auf den ersten Blick spielerisch wirkende Intervention gibt der „Diskus“ einen deutlichen künstlerischen und intellektuellen Impuls, denn – was gerade für Kinder im Grundschulalter eine ursächliche Lernerfahrung ist - das eigene flüchtige Sehen wird hier um das bewusste Verstehen erweitert. Florian Matzner

Fotos: Wilfried Petzi