Berthold Reiß:
lego, 2004


Grundschule am Schubinweg - Schubinweg 4
 

Einzelwerk
   

13 Zeichen / Acryl auf Wandfarbe



Es ist immer wieder darauf hingewiesen worden, wie sehr Bilder gegenüber Worten in unserer Wahrnehmung und Organisation von Welt an Bedeutung gewonnen haben. Die bildhaften Zeichen sind eine Art zweite Natur geworden; sie werden als urheberlose und ungeschichtliche Elemente der Benutzeroberfläche eines nicht weiter hinterfragbaren Universums hingenommen.
Berthold Reiß sammelt seit langem Graphiken, Logos, Piktogramme aus verschiedensten Kontexten, archiviert und ordnet sie in einem quasi enzyklopädischen Atlas aller möglichen Zeichen, um sie schließlich in seinen eigenen Bildern zu rekombinieren. Der Titel "lego" beschreibt diese Arbeitsweise, als erste Person Singular Präsens von lateinisch "legere", was neben "lesen" auch "sammeln, auswählen, mitteilen" bedeuten kann.
In diesem Sinne aus der Sammlung ausgewählt und als Wandmalereien mitgeteilt wurden vor allem Köpfe, die nun jeweils mit einem einfachen Bild oder Ornament konfrontiert werden (Sonne,Vorhang, Posthorn etc.). Diese sind den Köpfen beigestellt, angeschmiegt oder eingeschrieben, bleiben aber letztlich äußerlich: die klaren, meist ungemischten Farben sind präzise nur nebeneinander aufgetragen, Stoßkante an Stoßkante.
Die so entstandenen Bilder regen den Betrachter zu je eigenen Assoziationen an, ohne wirklich entschlüsselbar sein zu wollen. Zugleich unterstützen sie die Architektur, akzentuieren, verstärken Strukturen und Rhythmen. Die Bilder kontaminieren in ihrer Verstreuung und Vereinzelung, in einem Wechsel von Präsenz und Absenz, selbst noch die leeren Flächen, deren Weiß so weißer erscheint.
Berthold Reiß Wandmalereien sind von einer rein dekorativen Wandgestaltung genauso weit entfernt wie vom Hängen autonomer Bilder.

Peter T. Lenhart

Fotos: Wilfried Petzi