Andreas Schulze:
Ohne Titel, 2004


Grundschule Hanselmannstraße - Hanselmannstraße
 

Einzelwerk
   





Ein verglaster, über zwei Etagen reichender Lichtschacht bringt Tageslicht in das Innere des Schulgebäudes. Andreas Schulze situiert seine Wandmalerei an der Rückwand dieser Lichtvitrine. Er integriert sein Bild in die Architektur und wahrt, die Architektur überschreitend, seine künstlerische Unabhängigkeit.

Bereits der Philosoph Immanuel Kant brachte Kunst mit dem Spiel der Einbildungskraft in Verbindung. Schulze beherrscht dieses Spiel perfekt. Er akzentuiert das Unbestimmte der architektonischen Situation. Sie changiert nun zwischen Lichtschacht, Voliere, Terrarium, Pflanzenvitrine und Schaukasten, zwischen Licht und Wasser. Im unteren Teil, hinter den dort gepflanzten Pflanzen, verwandelt er die Betonwand in ein Feld aus Steinquadern. Das Blau im Hintergrund wird, je nach Blickwinkel, zu Himmel oder Wasser. Der gelbe Kreis bleibt Kreis und bedeutet doch Sonne. Die rosa Quallen mit ihren Tentakeln schweben wie Wolken aus Marzipan im Himmel-Wasser-Blau. Das hoch aufragende Gebilde in der Mitte ist gleichzeitig Baumstamm, Pilz und futuristische Behausung. In der zweiten Etage blickt das Pilz-Baum-Haus als heiterer Dinosaurier über die Brüstung.

Das Wandbild funktioniert als Appell an die Imagination. Es macht bewusst, dass das Wahrgenommene im Auge des Betrachters entsteht. Es spielt im Rekurs auf elementare Formen mit der Freiheit des Blicks, mit einem Blick, den insbesondere Kinder teilen, insofern ihre Wahrnehmung nicht bereits im Frühstadium zementiert wurde.

Heinz Schütz

Fotos: Monika Pemler