Thomas Holzer:
Die sieben Geißlein, 2004


Kindergarten Therese-Studer-Straße - Therese-Studer-Straße
 

Einzelwerk
   

Acht Marmorfiguren



Die Geschichte kennt jedes Kind. Der böse Wolf frisst die sieben Geißlein. Bis auf eines, das jüngste. Es hatte sich in der Standuhr versteckt.
Eine Standuhr wird man in einem modernen Kindergarten kaum finden. Aber tausend Ecken, um sich zu verstecken, unter Treppen, in Kisten und Winkeln. Verstecken gehört zum Kindsein einfach dazu. Es ist das beste Mittel gegen eine Welt der Großen, denen meist der Blick in manch kleine Ritze abhanden gekommen ist.
Thomas Holzer hat in seiner Arbeit für die städtische Kindertageseinrichtung in der Therese-Studer-Straße das klassische Märchenmotiv gedoppelt: Aus dem Märchenbuch scheinen Wolf und Geißlein entsprungen, direkt aus dem Versteckspiel kommt die Verteilung der Skulpturen im und am Haus. Das scheinbar kostbare Marmormaterial – tatsächlich sind es Bruchstücke, die Holzer bearbeitete – dient als Ausgangspunkt für die liebevolle Form der Märchentiere, die sich mit den Pfoten schon mal die Augen bedecken können, um nicht gesehen zu werden. Ihre Aufstellung markiert zugleich Versteckorte. Damit werden die Skulpturen zu Mitspielern für die Kinder. Man muss die sieben Geißlein erst suchen, während der Wolf wie eine römische Brunnenmaske grimmig am Eingang wacht. Mit einem klassischen – nicht strengen – Touch passt das gut zur Architektur des Hauses, das mit seiner Holzfassade, dem weit auskragenden Dach und der Loggia zum Garten den Eindruck einer heiter-bescheidenen ländlichen Villa macht. Architektur wie Skulptur sind im Maß der Kinder, und am Ende wird die Geschichte auch für die übrigen Geißlein gut ausgehen – nur für den Wolf nicht, aber der ist ja auch böse…

Jochen Meister

Fotos: Wilfried Petzi