Dietmar Tanterl:
Lichtkunstkonzept, 2004


Petuelpark - zwischen Belgrad- und Leopoldstraße
 

Einzelwerk

Teil des Projekts: KUNSTPROJEKT PETUELPARK
   

70 Stelen aus Edelstahl, Xenonlampen



Wer kennt nicht die Enttäuschung: „Der Park wird bei Einbruch der Dunkelheit geschlossen!“ So oder so ähnlich lauten die Hinweisschilder, die das Betreten innerstädtischer Park- und Gartenanlagen entweder unmöglich machen oder zumindest von einem Besuch in der Dunkelheit abraten. Also: „Wir brauchen Licht! Und zwar kein romantisches Zwielicht, sondern urbane Helligkeit“ hatte der künstlerische Leiter des Petuelpark-Projekts Stephan Huber gefordert, damit auch der Aufenthalt am späten Abend oder am frühen Morgen zu einem ästhetischen Genuss wird: Dietmar Tanterl bezieht sich bei seinem Beleuchtungskonzept auf den Genius Loci, auf die Aussage des Ortes und hat aus banalen Autoscheinwerfern großartige Lichtskulpturen entwickelt. Mehr als 70 Stelen, die tagsüber eine eigene skulpturale Qualität haben, verwandeln sich nach Einbruch der Dunkelheit in Quellen „urbaner Helligkeit“. Gleichmäßig wird der Park durch die kegelförmigen Autoscheinwerfer ausgeleuchtet, deutliche visuelle Höhepunkte aber modellieren den Petuelpark zu einer Stadtlandschaft, deren Silhouette zu einer autonomen Lichtskulptur wird und dem Betrachter völlig neue Raumwahrnehmungen erlaubt.
Der Münchener Lichtkünstler Dietmar Tanterl hat bereits zahlreiche öffentliche Orte und Architekturen mit seinen Installationen ausgestattet und diese so nach Einbruch der Dunkelheit zum Leben erweckt: das Lenbachhaus in München, das Max-Planck-Institut in Frankfurt, das Goethe-Institut in New York oder The Last House in Graz.
Auch das Beleuchtungskonzept des Petuelparks hat Tanterl als kongeniale Aufgabe verstanden, banale Funktionen und künstlerische Aussagen miteinander zu verbinden. Der Petuelpark ist damit die erste und einzige Parkanlage in München, die rund um die Uhr zum Flanieren, zum Verweilen einlädt. Zeitgemäße Landschaftsarchitektur, gepaart mit mehr als einem Dutzend künstlerischen Interventionen, erweitert durch die Lichtskulpturen von Dietmar Tanterl sowie ergänzt durch das in 2005 eröffnete Café im Herzen der Anlage machen den Petuelpark zu einem außergewöhnlichen sozialen und urbanen Erlebnisraum.
Florian Matzner

Fotos: Florian Holzherr