Rodney Graham:
Musical Folly, 2004


Petuelpark - zwischen Belgrad- und Leopoldstraße
 

Einzelwerk

Teil des Projekts: KUNSTPROJEKT PETUELPARK
   





„In den Ländern, die ein härteres Klima haben als die warmen Mittelmeerländer, ist Faulenzen eine sehr schwierige Angelegenheit, und man müsste zu diesem Zweck eine breit angelegte Propagandakampagne starten“ konstatierte bereits 1935 der Philosoph Bertrand Russell. Seitdem hat sich der Druck, immer etwas tun zu müssen, immer „busy“ zu sein, in der Informationsgesellschaft des frühen 21. Jahrhunderts noch beängstigend verstärkt.
An diesem Punkt setzt der Beitrag des kanadischen Künstlers Rodney Graham an, wenn er dem Besucher des Petuelparks künstlerisch und musikalisch verspricht: „I’m on an island!“, das täglich um 16.15 Uhr erklingt. Vergleichbar dem Hortus Conclusus, dem abgeschlossenen intimen Gartenareal in historischen Parkanlangen, hat der Künstler einen quadratischen Heckenraum errichten lassen, der den öffentlichen Raum in einen privaten Innenraum verwandelt. Hier sind sieben historische Sitzmöbel aus dem Jardin du Luxembourg in Paris dergestalt im Kreis angeordnet, dass sie den Besucher einladen, sich hier zu setzen, zu entspannen, auszuruhen und einem „Kurkonzert“ besonderer Art zu lauschen. Während aber historische Barockkonzerte oder Volksmusikveranstaltungen als werbeträchtiges Event organisiert werden, um möglichst viel Publikum zu „bedienen“, so konterkariert Rodney Graham seinen Beitrag bewusst zu einem meditativen Auftritt für den Einzelnen, zu einem intimen Kammerkonzert für das Individuum.
„I’m on an island“ von The Kinks – in einer Adaption von „The Rodney Graham Band“ ist der Verweis auf die aktuelle Popkultur und damit eine Datierung des gesamten Petuelparks wie des einzelnen Kunstwerks in die Jetztzeit und gleichzeitig eine Aufforderung, der Hektik des Alltags, dem Gebrüll der Großstadt für einen Moment zu entfliehen und sich auf eine einsame Insel katapultieren zu lassen, seinen eigenen Träumen nach zu spinnen, zu faulenzen, nichts zu tun außer nichts tun, eben sich selbst zu erfahren – ganz im Sinne von Bertrand Russel wenigstens einmal zu üben, die Langeweile zu einer langen Weile werden zu lassen.
„I’m on an island“ von The Kinks – in einer Adaption von „The Rodney Graham Band“ wird als Platte „Garden Fete“ aufgenommen, die ab Herbst 2004 im Handel erhältlich ist.
Florian Matzner

Fotos: Wolfi Stehle