Pia Stadtbäumer:
Go !, 2004


Petuelpark - zwischen Belgrad- und Leopoldstraße
 

Einzelwerk

Teil des Projekts: KUNSTPROJEKT PETUELPARK
   





Puma und Benetton - Sinnbilder der Jugend, aber auch: Skaten und Rappen und Surfen. Ein kleiner Junge, behängt mit den Insignien der Trashkultur, sitzt auf einem Maultier und reitet keck durch den Park. Ab und an stößt das Tier Rufe aus. Einem Comic-Strip oder einem Zeichentrickfilm entwischt, knallbunt lackiert, frech präsentiert wird der Bengel zum Sinnbild des Zeitgeistes, dem Hier und Jetzt ein vorläufiges Denkmal gesetzt, nicht durch Zufall in direkter Nachbarschaft zum Feuchtwanger-Gymnasium. Während aber die Kinder dort Mathematik und Latein büffeln müssen, hat sich ihr Mitschüler auf den Weg gemacht, um die große weite Welt zu erkunden – ein moderner Nomade, der ebenso absurd und weltfremd wie sympathisch und hoffnungsvoll wirkt.
Die Düsseldorfer Künstlerin Pia Stadtbäumer hat dem Motiv des klassischen, figurativen Reiterstandbildes, dem pompösen Auftritt der Ludwigs und Leopolds auf den Plätzen Münchens ihr Denkmal für die Aktualität des Augenblicks provokativ gegenüber gestellt: der Eintönigkeit des Marmors und der Bronze den bunten Lack, dem reinrassigen Pferd das einfache Maultier, der würdevollen Positur die schlacksige Beiläufigkeit, den traditionellen Insignien der Macht – Schwert, Uniform, Zepter – die Alltagssymbole der Jugendkultur, den Ghettobluster und das Skateboard. Doch die unbeschwerte Heiterkeit des Jugendlichen hat auch etwas unvermittelt Tragisches. Der moderne Don Quichote hat zwar das Selbstbewusstsein von Max und Moritz, aber auch von diesen beiden weiß man: „Meister Müller, he, heran! Mahl er das, so schnell er kann! Her damit! Und in den Trichter schüttet er die Bösewichter. Rickeracke! Rickeracke! Geht die Mühle mit Geknacke.“ Aber gerade diese fröhliche Unbeschwertheit des Jugendlichen, sein entspannt-lässige Sitzhaltung, sein Hab und Gut als Sinnbilder der erträumten Autonomie, der keck nach hinten gerutschte Hut, sein forscher Blick nach vorn sind selbstbewusste, vertrauensvolle Zeichen in die Zukunft einer gerade begonnenen Zeitreise – Go!
Florian Matzner

Fotos: Wolfgang Stehle