Harald Klingelhöller:
Rhetorisches Wäldchen, 2004


Petuelpark - zwischen Belgrad- und Leopoldstraße
 

Einzelwerk

Teil des Projekts: KUNSTPROJEKT PETUELPARK
   





Auf einer Parkbank ein Buch lesen, in Ruhe Spazieren gehen, müßig in der Sonne liegen – der Petuelpark bietet vielfältige Möglichkeiten der Erholung in der Stadt und ist darüber hinaus Sinnbild menschlicher Sehnsucht in der modernen Großstadt, dem Sog des hektischen Alltags für kurze intime Momente entfliehen zu können. Um so mehr verwundert da auf den ersten Blick das von Harald Klingelhöller realisierte „Rhetorische Wäldchen“: In einer symmetrisch angelegten Baumgruppe unweit des Feuchtwanger-Gymnasiums lädt eine abstrakte Skulpturengruppe den Besucher ein, diese aktiv zu besetzen und zu bespielen. Insgesamt sechs Pulte unterschiedlicher Höhe, gefertigt aus weißem und schwarzem Granit entpuppen sich beim genaueren Betrachten als Rednerpulte, die jedoch noch eine weitere Funktion erfüllen: Auf Knopfdruck fungieren sie ebenfalls als erfrischende Trinkbrunnen.
Merkwürdig aber ist die unterschiedliche Größe und Gestaltung dieser „Speaker’s Corners“: Es gibt ein Rednerpult für Kinder, es gibt eines für Rollstuhlfahrer, an einem Pult können zwei Menschen miteinander reden, an einem anderen gegeneinander argumentieren, an einem weiteren aber auch aneinander vorbeireden. Die schwarzen und weißen Granitteile dieser Rednerpulte aber verdeutlichen die These und Antithese als ursächliche Mittel menschlicher Kommunikation, die Doppelfunktion als Pult und Brunnen darüber hinaus das Sprechen und Trinken als Sinnbilder geistiger und körperlicher Nahrung und somit als ursächliche Faktoren menschlicher Existenz.
In der erschreckend schnell fortschreitenden Anonymisierung der Informationsgesellschaft des frühen 21. Jahrhunderts mit e-mail und Internet, mit Home Shopping und Mobiltelefon ist dem Düsseldorfer Künstler Harald Klingelhöller mit dieser „sozialen Skulptur“ ein ebenso schlüssiger wie provokativer Appell gelungen: Jeder Mann und jede Frau kann sich Gehör verschaffen, wenn er und sie es will, eine deutliche Aufforderung also zur Kommunikation, zum Miteinander, zum Dialog, zur Auseinandersetzung des Individuums mit der Gesellschaft – oder, wie es der Künstler selbst formuliert hat: „Der Anwesenheit der menschlichen Stimme einen Ort geben!“
Florian Matzner

Fotos: Wolfi Stehle