Bogomir Ecker:
Periskop, 2004


Petuelpark - zwischen Belgrad- und Leopoldstraße
 

Einzelwerk

Teil des Projekts: KUNSTPROJEKT PETUELPARK
   





„Ich weiß nicht genau, was alles tatsächlich öffentlicher Raum für mich ist. Es ist viel, wenn es gelingt, darin nur eine Sekunde eine provisorische, eine vorläufige Frage zu stellen. Vor diesem Hintergrund sind auch vorläufige Antworten interessant, weil sich auch in dem Moment, in dieser Sekunde ein kolossaler Gedanke an einen wenden kann.“ Mit diesen Worten hat Bogomir Ecker seine künstlerischen Interventionen beschrieben, wohl wissend, dass „der öffentliche Raum ein Kampfort der Aufmerksamkeiten geworden ist. Auf diese Tatsache muss man sich so oder so einstellen.“ Ebenso beiläufig wie nachhaltig tritt auch der Beitrag des Düsseldorfer Künstlers im Petuelpark auf: Ein Periskop, platziert in einem abgeschiedenen Heckenraum, bietet die Möglichkeit, den tobenden Autoverkehr im darunter versteckten Tunnel zu beobachten – ein Blick aus der Idylle hinab ins Inferno.
Nicht zufällig in der Nachbarschaft eines Kinderspielplatz positioniert, wird dieses Periskop durch einen natürlich angelegten Raum geschützt, von der Umgebung isoliert, die Konzentration und Ruhe wird bewusst gesteigert: Der Besucher wird damit unversehens zum Voyeur. Der Öffentlichkeit wird so demonstrativ Privatheit gegenübergestellt, der Massenkultur das intime Kunstwerk. Darüber hinaus erhält die beängstigend zunehmende Überwachung öffentlicher Straßen und Platze durch Sicherheitsdienste, Videokameras usw. eine verblüffend sinnfällige Umkehrung: Dieses „vertrackte Gerät“ – wie Ecker sein Periskop bezeichnet – erlaubt es dem Individuum, unbemerkt die Masse zu beobachten, zu überwachen, ohne allerdings einen konkreten Einfluss, Macht, Kontrolle auf den Autoverkehr ausüben zu können. Und ebenso wie Bogomir Ecker mit seinen Interventionen im öffentlichem Raum vorläufige Fragen stellt, ohne endgültige Antworten zu geben, so kann auch der Benutzer des Periskops sich auf die Suche begeben – auf die Suche nach dem Subtilen im Banalen, auf die Suche nach dem Unalltäglichen im Alltäglichen.
Florian Matzner

Fotos: Wolfi Stehle