Iris Häussler:
Auf Borg und Fund, 2003


Kindergarten Hasenbergl - Kindergarten Hasenbergl, Aschenbrennerstraße 5
(Ecke Linkstraße)
Architekt: Peter Ottmann Architekten
 

Einzelwerk
   

Betongussreliefs, je ca. 24,5 x 48,5 cm
in Zusammenarbeit mit der Bauhütte Hasenbergl/“Junge Arbeit”




Ganz unvermutet, fast beiläufig tauchen sie auf: Vier von ihnen haben sich knapp oberhalb des Fußbodens in dem kleinen Vorraum eingenistet, fünf sind wie ein Fries auf Kniehöhe im Gang angeordnet, eines ist auf Augenhöhe in der Küche, ein weiteres direkt unterhalb der Decke in einem der Spielzimmer... Insgesamt 17 kleinformatige Reliefs hat die Bildhauerin Iris Häussler an den unterschiedlichsten Stellen in den Räumen des von Peter Ottmann erbauten Kindergartens in die Wände integriert, wo sie ihrer Entdeckung durch alle Nutzer des Kindergartens harren dürfen.
So verwachsen die Reliefs mit der Architektur sind, so verwachsen sind sie aber auch mit ihrem sozialen Umfeld – dies eine künstlerische Methode, die Iris Häussler schon zu Beginn der neunziger Jahre entwickelt und mit der bezeichnenden Formulierung “An meinen Arbeiten wirken ganze Stadtteile mit” beschrieben hat. Für die Herstellung der Reliefs von “auf Borg und Fund” nämlich durften ortsansässige Kinder eigene oder gefundene kleine Alltagsgegenstände mitbringen, die dann als Negativformen in den Betonreliefs abgegossen wurden. Am Gießen der Reliefs waren zudem Jugendliche von der “Jungen Arbeit” beteiligt, einem lokalen Projekt, das arbeitslosen Jugendlichen aus dem Hasenbergl die Integration in die Arbeitswelt ermöglichen will. Für die Kinder und Jugendlichen ergab sich so die Möglichkeit, am Entstehungsprozess der Tafeln und damit der Verwandlung der vormals vertrauten, in Farbe und Textur ganz unterschiedlichen Gegenstände in nunmehr “steinharte” Negativformen mitzuwirken. Das Alltägliche, Private erfuhr damit gleichermaßen eine Konservierung wie auch eine ästhetische Verfremdung, lässt sich doch nicht mehr in allen Fällen zweifelsfrei identifizieren, was in den Reliefs ursprünglich abgeformt wurde. Wie kleine Paläontologen oder Detektive werden gegenwärtige und zukünftige Kindergartengenerationen mithin rätseln und erforschen dürfen, welchen Objekten sich diese modernen “Versteinerungen” einst verdankt haben.
Martina Fuchs

Fotos: Jan Roeder