Sophia Wonner-Mruck:
Abakus, 1997


Kindertagesstätte - Quedlinburger Straße 33
(Eingangshalle unter dem Treppenaufgang)
 

Einzelwerk
   

Verschiedene Hölzer und Metalle, 165 cm x 95,5 cm x 10 cm



Abakus - so nannten die Griechen und Römer einen speziellen Rechentisch mit mehreren parallelen Einschnitten, in denen sich verschiebbare Knöpfchen für die Einer, Zehner und Hunderter befanden. Abakus nennt sich auch das in der Eingangshalle der Kindertagesstätte aufgestellte Klang-Spielgerät der Münchner Künstlerin Sophia Wonner-Mruck. Natürlich fungiert dieser Abakus nicht als Instrument einer vorzeitigen Abstraktionsschulung. Im Gegenteil: Dieser Abakus ist zum Fühlen da, zum Streicheln und Klappern, zum Hören und Musikmachen und vor allem auch zum Anschauen. Auf elf überein ander gereihten Edelstahlstangen sind jeweils zehn bis zwölf, im Durchmesser gleiche, aber in ihrer Breite unterschiedliche Zylinder wie Perlen aneinandergereiht. Diese Zylinder bestehen aus gewachsten einheimischen Hölzern wie Buche, Ahorn, Kirsche und Birne und aus den drei Metallen Aluminium, Messing und Tombak. Die Oberflächen der Metallkörper sind metallisch rein, patiniert oder mit einem zweiten Metall, z. B. Zinn, überzogen. Manche Zylinder sind hohl und mit Perlen, Murmeln, Nadeln, Kieseln oder Glöckchen gefülit. Der auf den ersten Blick so homogen und ruhig erscheinende Abakus wird um so vielseitiger und lebendiger, je mehr man mit ihm umgeht. Farben, Maserungen, Klänge, Kühle, Wärme: All die verschiedenen Facetten des sinnlichen Lebens werden hier auf sehr sensible Art vermittelt. Entscheidend ist aber dies: Der kleine Mensch lernt im Spiel, dass das Leben sich umso mehr von seiner schillernden, sinnlichen und auch überraschenden Seite zeigt, wenn es dazu aufgefordert wird. C.N.