Kay Winkler:
Transparent Move, 2001


Städtische Sportanlage - Gaißacher Straße 8
(Eingangsbereich)
Architekt: Kaup Jesse Hofmayr und Werner (KJHW)
 

Einzelwerk
   

Glas, Filmfolie, Stahl, 320 x 260 x 300 cm



Sportivität gehört mit zu den ausgemachten Erfolgskriterien des postindustriellen Zeitalters. Wer im verschärften Wettbewerb der Informationsgesellschaft reüssieren will, muss selbstredend gut trainiert, kompetitiv, alert und teamerprobt sein. Zugleich spiegeln sich im Leistungssport mit seinem System aus Vereinsmacht, Sponsoring, Starkult auch komplexe ökonomische Gesetze wider. Reflexionen wie diese hat Kay Winkler in sein zweiteiliges skulpturales Glas-Stahl-Objekt bei der Sporthalle Gaißacher Straße einfließen lassen. Im ersten Moment fällt erst einmal die Labilität der beiden schräg auf dem Rasen platzierten, im 70 Grad Winkel einander zugeneigten Glasflächen auf. Durch Stahlträgerstützen scheinen die grünlich schimmernden Glaswände nur notdürftig am Umstürzen gehindert zu werden. Es ist als habe Winkler eine Passage zur Sporthalle schaffen wollen, diese aber bereits im Entstehensprozess wieder selbst dekonstruiert. Der prekäre Schwebezustand zwischen fest Gefügtem und in Auflösung Begriffenem, zwischen körperlicher Präsenz und imaginativer Transparenz macht auch die Raffinesse der Bilder aus, die im Innern der 14 cm dicken TVG-Glasflächen eingeschweißt wurden. Auf Filmfolie hat Winkler via Mehrfachbelichtungen verschiedenste Sportdisziplinen reproduziert. Infolge der Überblendungstechnik verschwimmen die ohnehin negativ wiedergegebenen Bewegungsmotive bis zur Unkenntlichkeit. So wird auf kristalline Weise der Sport als vielschichtiges System ansichtig. Birgit Sonna

Fotos: Siegfried Wameser