Burkhard Blümlein:
Gucklöcher


Kindertagesstätte am Blütenanger - Pappelallee 23
Architekt: Baureferat / H4 Ulrich Ott u. Helmut Mayer
 

Einzelwerk
   

17 runde Fenster im Geräteschuppen (Durchmesser: 50 bzw. 38 cm) z.T. farbig; konische Fenstereinfassungen aus tiefgezogenem Kunststoff.



Im hinteren Bereich der Kindergartenanlage befindet sich der kubische Holzkörper eines Geräteschuppens, den Burkhard Blümlein mit siebzehn kreisrunden Fenstern "perforiert" hat. Die unterschiedlich großen, nach ästhetischen, sinnfälligen und funktionalen Gesichtspunkten gesetzten "Gucklöcher" besitzen ca. 20 cm Tiefe, nach innen hin sich konisch verjüngende Kunststofflaibungen, die die soghafte Wirkung auf den Blick verstärken. Die farbigen Glasscheiben der Gucklöcher und deren schwebend wirkende Anordnungen erinnern an schillernde Seifenblasen. Zugleich verwandeln die "tanzenden" Ein- und Durchblicke den Geräteschuppen in eine Art optisches Spielzeug. Gespielt wird mit dem Augensinn wie mit dem Licht. Gleich Teleskopen richten hintereinander plazierte Fenster Blickachsen aus. Aber selbst wenn reizvolle Ausblicke entstehen, heben sie nicht in erster Linie das, was gesehen wird ins Bewußtsein, sondern vielmehr den Akt des Sehens selbst. Die "Durchdringungen" des Schuppens laden zur Erforschung seines Innens und Außens ein, zur Beobachtung kaleidoskopischer Effekte, die entstehen, wenn das durch die bunten Gläser gefärbte Licht seine sich wandelnde Formen auf Wände und Boden wirft. An zwei Tagen im Jahr fädelt das, den Schuppen diagonal durchmessende Strahlenbündel der Sonne drei Fensterringe auf seiner Lichtschnur gleichzeitig auf. Die gestalterische Kraft des Blickes ist eines der zentralen Themen im Werk Burkhard Blümleins. In seinen Objekten und Installationen sind es Sicht- und Lichtachsen, welche die materielle Welt ordnen und strukturieren. Seine Arbeiten kennzeichnen eine sparsame, wiewohl äußerst kalkulierte Formensprache. An der Grenze zur "Unauffälligkeit" werden sie zu Instrumenten, die das allzeit und allerorts Wirkende auf stille Weise sichtbar machen. Marietta Schürholz

Fotos: Claudia Wenz