Veronika Veit:
Rotorbabys, 2000


Kindertagesstätte - Rahel-Straus-Weg 28
 

Einzelwerk
   

Skulpturale Objektgruppe, Windgenerator im Außenbereich auf der Südseite und 10 Innenrotoren



Handelte es sich um veritable Küken, dann müssten zumindest fünf der insgesamt zehn "Rotorbabys" im nächsten Moment schlüpfen. Vorwitzig lugen sie, bereit zum baldigen Abschwirren, aus ihrer soften blauen Schale hervor. Ihren mit verschiedenfarbigem Karoseidenstoff bezogenen Mini-Propellern hat Veronika Veit ein ebenso aberwitziges wie pseudofunktionales Futteral verpasst. Dank eingenähten Reißverschlüssen lässt sich das nachgiebige blaue Stoffoberteil der triangelförmigen Schale aus komprimiertem Filz öffnen. Wie eben aufbrechende Knospen scheinen die gleichsam animierten Objekte ihre Umhüllung sprengen zu wollen. Ein Eindruck, der noch verstärkt wird, wenn die blütenartigen Propeller in Fahrt sind und entsprechend der Windstärke ein surrendes Konzert verursachen. Die Hälfte der phantasmatischen "Rotorbabys" ist mit einem unterschiedlich starken Motor versehen. Dabei wirken die unterhalb einer Fensterreihe an der Eingangshalle installierten Objekte wie Gebilde aus einer hybriden Sphäre zwischen Flora und Hausrat. Veronika Veit sorgte auch für ein in sich geschlossenes Energiesystem. Erzeugt wird der Strom für die Mini-Propeller durch ein vergleichsweise ungemein "erwachsen" erscheinendes, aufragendes Windrad im Freien, das sein Verwandtschaftsverhältnis zu den Kokons im Innenraum bereits durch den Karostoffbezug zu erkennen gibt. Für die Kinder in der Tagesstätte an der Rahel-Strauss-Straße fungieren die "Baby-Rotoren" unweigerlich als wundersam spielerische Indikatoren der herrschenden Wetterverhältnisse. Birgit Sonna

Fotos: Werner Prokschi