Nele Ströbel:
Sonnenhof, 1998/2000


Kindergarten und Krippe - Gabrielenstraße 24
(Innenhof)
 

Einzelwerk
   

Sonnenblume: 1,80 x 1,80 x 2 Meter, Seerosenblatt: 1,60 x 2,30 x 4,20 Meter, Installation mit Heliostat und Umlenkspiegel



Erinnert sei hier an die legendären Märchenbildgeschichten vom Anfang des letzten Jahrhunderts: Als handelte es sich um besondere Schutzschirme, wandelten sogenannte "Blumen- und Wurzelkinder" unter überdimensional großen, bunten Blüten. Und nun scheinen sich die Attribute der Elfenwesen in Nele Ströbels "Sonnenhof" zu zwei autonomen Gebilden herausgebildet zu haben. Auf dem Kindergarten in der Gabrielenstraße sprießen sie wie kraftvolle Dachgartengewächse hervor. Nele Ströbel lässt eine stark stilisierte "Sonnenblume" mit einer nicht minder abstrakt erdachten "Seerose" kommunizieren. Wie in einem floralen Sender- und Empfängermodell sind die mächtigen Blütenköpfe einander zugeneigt. Und dass es sich hier Nicht um eine bloße Adaption aus ferner Elfenseligkeit handelt, zeigt sowohl die scharf umrissene Kontur als auch die technisch geschickt inszenierte Funktion der Metallpflanzen. Während auch der Rückseite der gelb-blauen Sonnenblume ein Heliostat eingebaut ist, verfügt die pink-grüne Seerosenblüte über einen ellipsenförmigen Umlenkspiegel. Durch diese Korrespondenz wird es möglich, dass sich Sonnenstrahlen in den Lichtschacht im Zentrum des Gebäudes reflektieren lassen. Mit der Sonne wandert die Heliostatenblume und projiziert das eingefangene Licht auf den entsprechend der Architektur ausgerichteten Umlenkspiegel. Dieses Papaskop befördert wie eine Sonde zusätzliches Licht in das Treppenhaus. Je nach Standort bieten sich den auf dem Dach stehenden Kindern im Umlenkspiegel immer andere Perspektiven – einmal auf ihre eigene Person und dann auf die launig facettierte Welt. Birgit Sonna

Fotos: Petra Wallner