Alix Stadtbäumer:
Brause, 2001


Kindergarten - Tumblingerstraße 4
Architekt: Architekten Bottler+Lutz
 

Einzelwerk
   

zweiteilige Wandarbeit im Treppenhaus



Gleich einer überdimensionalen stilisierten Blume sticht ein tiefblaues Wasserrad markant von dem Wandhintergrund ab. Obschon das lackierte Holzrad von der Gestalt her einem handelsüblichen Normteil entspricht, wirkt es aufgrund seiner schieren Größe und surrealen Deplaziertheit wie eine poetische Einlassung im nahezu völlig verglasten Treppenanbau des Kindergartens in der Tumblingerstraße. Alix Stadtbäumer gewinnt funktionalen und auf Baumärkten zu erwerbenden Objekten und Utensilien via minimaler Verfremdung eine ungeahnte skulpturale Qualität ab. Meist handelt es sich tatsächlich um industriell gefertigte Normteile wie Lichtschalter und Wasserräder, die ihr als musterhafte Anschauungsbilder einer wundersamen Alltagsästhetik dienen. Mit dem unter leichtem Kraftaufwand zu bewegenden Wasserrad erschließt Stadtbäumer den Kindern zudem einen spielerisch nachvollziehen Funktionskreislauf. Je weiter man das sonderbare Blütenrad aufdreht, um so helleres Licht spenden die in einem gigantischen Duschkopf eingesetzten blauen Spots hoch oben im Treppenhaus. Leicht pritzelndes Licht ergießt sich dann über die Köpfe der Treppenhauspassanten. Der wie in einer Kinderbuchillustration abstrahierte Duschkopf ist aus Alublech zusammengeschweißt und neigt sich sanft in den Raum hinein. Mit plastischer und lakonischer Erzählgabe erinnert die Künstlerin an die ehemalige Bestimmung des Hauses in der Tumblingerstraße. Hier war vormals eine sogenanntes "Tröpfelbad" als Hygieneeinrichtung für die gerade in dem Schlachthausviertel angesiedelten Armen untergebracht. "Ich habe das Tröpfeln mit der Lichtbrause beim Wort genommen", erläutert Alix Stadtbäumer ihre Arbeit. Birgit Sonna

Fotos: Wilfried Petzi