Dorothea Reese-Heim:
Sonnenkissen, 1999/2000


Kindertagesstätte / Vorplatzbereich der Kindertagesstätte - Helenenstraße 15
Architekt: Baureferat Hochbau / Peter Grünwald
 

Einzelwerk
   

5,5 x 3,7 x 2,3 Meter, Edelstahlrohre (Durchmesser 60 mm), Federbandstahl 10 x 1,5 mm, Festigkeit 1400-1600 N/qmm, Kanten arrondiert, 7 pulverbeschichtete Aluminiumrohre 3000 Durchmesser 15 hellblau



Es ist, als sei der Terminus "diaphan" eigens für Dorothea Reese-Heims erfunden worden, so stimmig bezeichnet er ihre plastischen Werke. Diaphanien sind durchsichtige Bilder. Bilder, die in ihrer transparenten oder kristallinen Schönheit an die durch Glasfenster erwirkte Immaterialisierung der Wände in gotischen Kirchen erinnern. Reese-Heims Arbeiten gehen über die nur zweidimensional aufscheinende Transparenz imaginierter Formen kühn hinaus.Sie ersinnt beschwingte diaphane Körper aus mal mehr drahtigen, mal mehr textilen Geflechten, Netzen, Verstrebungen. Wie in den Raum gezeichnete Gespinste wirken ihre scheinbar schwerelosen Luftkörper. Der leichthängig umschriebene Leerraum ist fast dominanter als das materiell Herausgebildete, zumindest behauptet sich die Negativform stets auf souveräne Weise. Für den Kindergarten an der Helenenstraße hat Reese-Heim nun ein nahezu magisches "Sonnenkissen" erfunden. Wie ein außerirdisches Reflektions-Ufo fängt das geflochtene, an den Ecken abgerundete Gebilde die Lichtstrahlen ein und sondert sie wieder ab. In einem zweiteiligen Bogengerüst hat sich das Netzwerk verfangen und droht jeden Moment wieder ins All abzuheben. Auf das Himmelsgewölbe verweisen auch sieben hellblauen Aluminiumrohre, die sich wie die geflügelten Speere des Zeus in das Sonnenkissen gebohrt haben. Und wer unter dem durchlässigen Baldachin stehen bleibt, wird in den Glasscheiben des Kindergarten ein ungleich phantasmenhafteres Spiegelbild des "Sonnenkissens" entdecken. Birgit Sonna

Fotos: Irene Funk