Norbert Prangenberg:
Figur, 1999


Grundschule an der Eversbuschstraße - Eversbuschstraße 182
Architekt: C. Kuboschok
 

Einzelwerk
   

fünf-stufige Pyramide aus Ziegelstein mit 16 farbig glasierten Terrakottaplastiken, 4 x 4 x 3 Meter



Fünf Stufen einer, über quadratischem Grundriss angelegten Pyramide. Wie zufällig angelegt scheinen auf diesen Stufen aus rotem Ziegel merkwürdige farbige Gegen stände und Formen zu tanzen: Ein orangefarbener Pilz. Kristalline Körper in Gelb, Rot und Türkis. Ein kupferfarbenes, kopflastiges Gebilde aus gedrehten Wülsten. Vasen mit Girlanden. Und immer wieder geheimnisvoll schillernde Bälle und Kugeln. Je nach Lichteinfall verändert sich die Farbigkeit der glasierten Oberflächen. Von Flaschengrün bis Strohgelb und von Ozeanblau bis Gummiballorange reicht die Palette. Alles lädt ein zum Anfassen, Umfassen, ja Besitzen. Eine haptisch-optische Inszenierung, die - obwohl auf einem Schulhof platziert - Kinder wie Erwachsene dazu verlockt, sich diesen Fremdartigkeiten zu nähern. Hier ist nichts dargestellt oder verfremdet umgeformt. Statt dessen: Ein Ort zum Begreifen, mit Gegenständen, die vertraute Wahrnehmungsmuster durcheinander würfeln. Diese leuchtenden Bälle kann man nicht bewegen und im Spiel fort tragen. Dafür kann man sich auf sie setzen, ihre Oberfläche betasten oder den Lichtreflexen folgen, die das Sonnenlicht an hellen Tagen auf die versiegelten Oberflächen fallen lässt. »Ich habe etwas gesucht«, so die Erklärung des Künstlers zu seiner einfach nur »Figur« betitelten Erfindung, »wozu sich die Kinder wie selbstverständlich gesellen können.« Kein kindgerechtes Spielzeug, sondern ein Ort, der wie eine dreidimensionale Bühne funktioniert, wo jeder seinen Lieblingsplatz einnehmen kann. Ein Ort, der in Territorien zerfällt. Ein Ankerplatz für vergangene und künftige Erinnerungen, geschaffen und geformt aus gebranntem Ton. Christoph Wiedemann

Fotos: Beate Harrer