Marius Pfannenstiel:
Kakteen, 1997


Kindertagesstätte / Außenbereich - Quedlinburger Straße 33
 

Einzelwerk
   

Bronze, grün patiniert



Ein winziges Beet auf dem engen Raum zwischen dem Eingang der Kindertagesstätte und der Straße: Niedriges, wintergrünes Hypericum wächst hier, dazwischen behaupten sich kleine Farninseln. Aber die .Irritation ist nachhaltig, denn aus den relativ wild wuchernden Pflanzen wachsen mit befremdlicher Perfektion vier extrem dünne Beine empor. Die Beine gehören zu einem Bronze-Tisch, aber dieser Tisch braucht keine Stühle, denn daran sitzen soll man nicht. In seinen Ausmaßen ist dieser Tisch so extrem - bei einer Höhe von 92cm und einer Länge von 150 cm ist er gerade mal 22 cm breit, dass er nur als Sockel verstanden werden kann. Aber die Bronze-Skulpturen, die sich auf ihm präsentieren, gehören ursprünglich gerade nicht ins Museum. Es sind sechs gleiche Blumentöpfe mit sechs verschiedenen Kakteen. Virtuos bespielt der Münchner Künstler Marius Pfannenstiel den konzeptionellen Raum zwischen Natur und Kunst, Natürlichkeit und Künstlichkeit. Der Kaktus als natürliche Skulptur, die Blumentöpfe und der Tisch als skulpturale Manufakte und das Beet als manufakte Natur ergeben zusammen einen denkwürdigen Dreiklang. Hier werden Fragen provoziert, indem die Wahrnehmung geschärft wird. Wo ist der Unterschied zwischen der Skulptur eines Kaktus und seiner Natur? Inwiefern ist ein Farn eine Skulptur? Hat ein Blumentopf eine natürliche Funktion oder ist er eine perfekt geometrische Skulptur? Das Zusammenspiel der Elemente wirkt hier als optisch und geistig schillernder Akkord, der frei in Dur und Moll auf den scheinbar festgelegten Ebenen erklingt. Claudia Niklas

 


Kakteen im Eingangsbereich der Kindertagesstätte
Pressebild zum Download / Abdruckrechte in Abstimmung mit QUIVID