Beate Passow:
Marian Batko, 1998


Marian-Batko-Berufsoberschule / Treppenhaus - Bergsonstraße 109
Architekt: Bauer, Kurz, Stockburger
 

Einzelwerk
   

Gleichschenkliges rotes Dreieck mit dem Fotoportrait des Physiklehrers Marian Batko, darüber ein Fries mit s/w Fotos und sandgestrahlter Häftlingsnummer; Höhe 250 cm, Breite 210 cm



Der Häftling Nr. 11795 starb am 27. April 1941, kurz nach seinem 40. Geburtstag. Namenlos, vergessen, einer von Millionen Menschen, die in Auschwitz und anderswo dem Nazi-Regime auf grausamste Weise zum Opfer fielen. 57 Jahre später wird der Versuch gemacht, wenigstens diesen einen, Häftling Nr. 11795, der Anonymität zu entreißen. Die Münchner Künstlerin Beate Passow widmet dem in Krakau geborenen Physik-Lehrer Marian Batko, der in Polen gegen den Willen der deutschen Besatzungsmacht Mathematik und Physik unterrichtete und dafür in Auschwitz ermordet wurde, ein Denk-Mal besonderer Art: ein schwarz-weißes, ganzfiguriges Portraitfoto auf dem rotem Hintergrund eines großen, gleichschenkligen, nach unten weisen den Dreiecks, das an den roten Winkel erinnert, den die politischen Häftlinge tragen mussten. Über dem Dreieck verläuft ein Fries mit der sandgestrahlten Nummer des Häftlings, drei Schwarz-Weiß-Fotos und vier Texten. Fast alle Teile des Werks lenken die Konzentration des Betrachters zunächst ganz sachlich auf historische Fakten: das Foto eines aufgeschnittenen Kohlkopfs etwa veranschaulicht, wie das Untergrundschulwesen damals geheime Informationen versteckte. Dennoch verharrt Passows Werk nicht auf einer rein dokumentarischen Ebene. Das Zusammenspiel der einzelnen Teile löst eine Betroffenheit aus, die Vergangenes in der Gegenwart erst wirklich lebendig zu machen vermag, weil es Fragen provoziert. Vor allem nach dem „Wer?" und nach dem „Warum?". Nicht allein Farbe und Form reißen dieses Portrait aus der klassischen Portrait-Kunst heraus. Vor allem ist es die Kunst der subtilen Aufforderung zum Wissen-wollen. C.N.

Fotos: Ingrid Voth-Amslinger