Francois Morellet:
Kreis, Quadrat und Abfälle, 1998/1999


Abfallwirtschaftsbetrieb München - Georg-Brauchle-Ring 29
Architekt: Ackermann+Partner
 

Einzelwerk
   

Neonarbeit, Höhe 300 cm, Breite 1030 cm an der Fassade des Verwaltungsgebäudes



Am Anfang war das Chaos. Zumindest wollen das antike Schöpfungsmythologien glauben machen. Mit der in den Achtzigern viel diskutierten Chaostheorie begann sich auch in der Populärphysik die Vorstellung durchzusetzen, dass im vermeintlich Chaotischen genialische innere Ordnungsprinzipien walten. Francois Morellet bringt die Idee von einem ursächlichen Zusammenhang zwischen Chaos und Ordnung in einer raffinierten geometrischen Figur zur Anschauung. Und zwar am urbanistisch goldrichtigen Platz: Dort, wo das komplexe System der städtischen Müllentsorgung organisiert und bewerkstelligt wird, hat er ein weithin sichtbares Leuchtzeichen geschaffen. Hoch oben, vor dem zurückversetzten gläsernen Dachgeschoss des neuen Amt für Abfallwirtschaft signalisiert eine dreiteilige Installation aus blauen Neonlichtröhren den Grundgedanken des Recyclings. Flankiert von einem Kreis und einem auf die Spitze gestellten Quadrat steht im Zentrum ein scheinbar wirres Gefüge sich überkreuzender Bögen und Diagonalen. Es handelt sich um die dekonstruierten Einzelsegmente der Elementarformen Kreis und Quadrat. Morellet führt somit den angestrebten ökologischen Verwandlungsprozess des Abfallwirtschaftsamtes auf eine bildnerische Gleichung zurück. »Dieses Werk hat die Absicht, im Zentrum das Chaos (den Abfall) symbolisch darzustellen und an den Seiten die Reinheit (die Produkte der Wiedergewinnung)«, erklärt der Künstler. Morellet, ein Op-Art-Pionier der Lichtkunst, weiß um die nachhaltige Wirkung leuchtender Farbsignets. Seine in kosmischem Blau gehaltenen Lineaturen beschwören nicht zuletzt energetische Prozesse, die sich in der vierten und damit unsichtbaren Dimension vollziehen. Birgit Sonna

Fotos: Peter Schinzler