Edgar Lorenz:
Skulpturenweg - dem Ort eine Geschichte geben, 2000


Wohnungs- und Flüchtlingsamt - Franziskanerstraße
(Durchgang Gallmayerstraße)
Architekt: Architekturbüro Reinhard Dörnfeld und Lenz+Partner
 

Einzelwerk
   

Den vorgefundenen Teilen stellt Lorenz seine Konstruktionen gegenüber. Er erhebt sie auf Sockel, vervielfältigt sie und fügt Baustellen-Objekte hinzu.



Auf hohem Sockel thront das gelbe Schaf mit seinem Lamm über der buschigen Hecke am Ende der Gallmayerstraße. Hier beginnt der Skulpturenweg, den Edgar Lorenz für den Durchgang zur Franziskanerstraße geschaffen hat. In lockerer Folge reihen sich links und rechts des Weges zwölf Arbeiten. Er dient als Zugang zu den Verwaltungsgebäuden, dem Kindergarten, ist Anlieferung, erweiterte Gartenanlage der Anwohner aus den gegenüberliegenden Häusern und Wegverbindung des dicht bebauten Haidhausens zur grünen Isarhangkante. Das sind viele Funktionen für so einen kurzen Weg. Zu viele, um den Ort endgültig zu definieren. Edgar Lorenz hat die disparate Situation aufgegriffen und ihr mit seinen Skulpturen eine Sprache verliehen. Da sind Steine zu einem fragilen Turm aufgestapelt, eine Säule liegt am Boden und etwas weiter scheint ein Bauarbeiter seine rot-weißen Leitkegel stehen gelassen zu haben. Doch das Provisorische ist bei Lorenz Konzept. Denn der Künstler arbeitet normalerweise nicht für die Ewigkeit, sondern irritiert den Betrachter mit temporären Eingriffen im Stadtraum. Seinem künstlerischen Ansatz bleibt er auch auf dem Skulpturenweg treu. So hat er bei der Gestaltung auf vorgefundene Materialien zurückgegriffen, die er im Steinlager des Städtischen Bauhofs entdeckte. Im Freien gelagert und nur teilweise nummeriert, haben die steinernen Fragmente der Bau- und Denkmalskunst längst vergangener Epochen ihre ursprüngliche Funktion und Symbolkraft eingebüßt. Lorenz hat sie der Vergessenheit entrissen und im wahrsten Sinne des Wortes wieder auf einen Sockel gestellt. Auch wenn sich die Arbeiten in der Gallmayerstraße nun mit einer Selbstverständlichkeit behaupten, als wären sie dort immer gestanden, sind sie doch Veränderungen unterworfen. Denn während der kalten Jahreszeit verschwindet ein Teil der Skulpturen unter einer Holzverschalung, mit der auch städtische Brunnen vor der Witterung geschützt werden. In den Grundfarben bemalt, setzt die Winterpräsentation einen minimalistischen Akzent zu der verschwenderischen Pracht neobarocker Elemente. Cornelia Gockel

Fotos: Siegfried Wameser

 


... aus hohem Sockel tront das gelbe Schaf ...
Pressebild zum Download / Abdruckrechte in Abstimmung mit QUIVID


Skulpturenweg - Dem Ort eine Geschichte geben
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