Barbara Probst:
Laura, 2000


Kindertagesstätte Trudering - Hugo-Weiss-Straße 7
Architekt: Schürmann Architekten
 

Einzelwerk
   

Fotoarbeit an der Fassade am Eingangsbereich



Die visuelle Verlockung ist ungemein groß. Wer könnte schon behaupten, dass er sich von der überlebensgroß in einen Kubus der Kindertagesstätte eingepassten Mädchenfigur nicht direkt angesprochen fühlt? "Laura" - so der Name der von Barbara Probst Porträtierten - lugt keck aus einem in der Holzbrettverschalung freigelassenen Spalt hervor und scheint uns mit ihrem auffordernden Blick förmlich in das Innere des Gebäudes ziehen zu wollen. Der starke illusionäre Charakter wird vor allem durch das leichte Zurückversetztsein des Siebdrucks auf Glas bewirkt. Nur Dreiviertel der Figur ist zu sehen; wie zum Schutz versteckt sich "Laura" hinter der holzverkleideten Außenmauer. Durch diese Kaschierung, aber auch durch den Sichtkontakt zu nur einem Auge des Mädchens erhöht sich der geheimnisvolle Charakter der unerwarteten Begegnung. Was Erscheinung und Outfit betrifft, könnte das Mädchen durchaus ein Kind aus der Tagesstätte sein und gibt demnach mit ihrem Blümchenrock und Tattoo auf dem Arm eine ideale Identifikationsfigur für die Heranwachsenden ab. Doch zugleich ist Laura eine kleine Gigantin, die unversehens wie vormals Alice im Wunderland durch eine offen gelassene Fuge ein Reich betritt, in dem bizarre Sitten und kuriose Märchengestalten herrschen. Mit ihrem fotografischen Porträtschaufenster eröffnet Barbara Probst ein selbst für Kinder leicht erfassbares Assoziationsfeld. Sie baut mit minimalen Mitteln ein im Alltag der Tagesstätte funktionierendes Kommunikationsmodell auf, das die Relationen zwischen Außen- und Innenraum, körperhafter Erscheinung und introspektiver Gefühlswelt auslotet. Birgit Sonna

Fotos: Barbara Probst