Patricia Wich:
Korekooo ... gua!, 2017


Haus für Kinder „Flügelnuss" - Margarete-Schütte-Lihotzky-Straße 33
Architekt: Boschmann + Feth Architekten, München
 

Einzelwerk
   

begehbare, raumbezogene Installation, Eingang große Höhle: 1,50 x 1,40 m; Höhle innen: 2 x 1 x 1,90 m, großer Ast: 1,10 x 1,20 x 1,60 m, pigmentierter Beton, Linoleum


Wie Alice im Wunderland fühlen sich die klei­nen und großen Besucherinnen und Besucher der Kindertagesstätte „Die Flügelnuss“, wenn sie die Baumhöhle im Wartebereich der Einrich­tung betreten. Durch eine niedrige Öffnung gelangt man ins Innere. Trotz der geringen Höhe, herrscht dort eine behagliche Atmo­sphäre. Weiche, amorphe Formen in warmen erdigen Farben umfangen die Kinder. Die in Grün- und Terrakottatönen marmorierten Höhlen­wände haben unterschiedliche Strukturen, so­dass sie zur taktilen Erkundung einladen. Von oben strömt wechselndes, farbiges Licht durch drei hohle Astlöcher in das Innere. Die Nischen bieten Platz für Vier, ohne dass man sich darin beengt fühlt. Und damit keine Panik bei größe­rem Andrang entsteht, hat die Höhle noch einen zweiten Ausgang.

„Korekooo … gua!“ hat Patricia Wich ihr Kunst­projekt genannt. Mit dem lautmalerischen Titel bezieht sich die aus Paraguay stammende Künstlerin auf ein allseits beliebtes Versteckspiel für Kinder der indigenen Bevölkerung. Wich hat mit ihrem Projekt nicht nur einen Rückzugsort für die Kinder geschaffen, sondern ist auch in Dialog mit der Architektur und der Umgebung getreten. So hat sie die Höhle in einen bei der Planung dafür geschaffenen Hohlraum in der unsicht­baren Achse des Gebäudes gebaut und auch die Technik für die LED-Lichtinstallation darin verborgen.

Die fantastische Vorstellung, dass sich in der Wand der Wartezone der neuerbauten Kinder­tagesstätte ein uralter Baum versteckt, führt Wich auch im Luftraum des Wartebereichs wei­ter. Dort ragen knorrige Äste aus der Wand, die von der Galerie im Obergeschoss näher betrach­tet werden können. Einige von ihnen tragen Blu­menknospen, die sich den Fenstern entgegen recken. Sie korrespondieren mit dem alten Baum vor dem Eingang, einer Flügelnuss, die der Kin­dertagesstätte ihren Namen gab.

Cornelia Gockel