Venske & Spänle:
Gumpfoten in Sendling, 2009


Kindertagesstätte Konrad-Celtis-Straße 46
Architekt: MORPHO-LOGIC
 

Einzelwerk
   

Skulpturengruppe im Eingangshof, schwarzer Granit



Sie sind mitten unter uns. Vor der Kindertages­stätte in der Konrad-Celtis-Straße haben sie das rechtwinklige Grau der Bodenplatten durchbro­chen und ihre Nasen neugierig in die Sendlinger Luft gesteckt. Wenn es denn überhaupt neugie­rige Nasen sind, die wir von den »Gumpfoten« zu sehen bekommen – denn zunächst einmal sind die scheinbar wabbelig sich windenden Wesen einfach nur amorphe Würste aus superhartem Granit. Doch ihren Schöpfern, dem Künstlerduo Venske & Spänle, ist das Kunststück gelungen, dem primär unbeseelten Stein durch ausgefeilte Formgebung und raffinierten Hochglanzschliff nicht nur Leben einzuhauchen, sondern regel­rechte Wesenszüge zu verleihen. Und so wirkendie schwarzen Knubbel tatsächlich wie freund­liche Lebensformen, die neugierig und zutraulich den Hof der Tagesstätte erkunden. Dem Ort angemessen bietet ihre phantastische Physiognomie dabei Anlass zum Spielen und Erkunden, darüber hinaus aber auch zur Über­raschung und Irritation – in ihrem Widerspruch zwischen offensichtlicher Statik und imaginierter Bewegung, zwischen spürbarer Steineshärte und scheinbar pulsierender Organik. Diesem gegensätzlichen Wechselspiel von Form und In­halt folgt der gesamte Figurenkosmos des Duos Venske & Spänle: amorphe Körper, die – vom rundlich-kleinen »Smörf« bis zu den tropfig-flie­ßenden »Helotrophen« – nicht nur eigenwillig- ironische Fantasienamen tragen, sondern sogar eigens definierten Abstammungslinien folgen und von den beiden Künstlern bereits in Ameri­ka, Afrika und Australien »angesiedelt« wurden. Mit den Sendlinger »Gumpfoten« sind Vertreter der Venske & Spänle‘schen Formen-Familie nun endlich auch in München ansässig geworden.
Matthias Supé

Fotos: Venske & Spänle