Afra Dopfer:
Ein Kommen und Gehen, 2016


Grund- und Förderschule Kirchenstraße 11 / 13
Architekt: lynx architecture, München
 

Einzelwerk
   

Wandgestaltung in der Eingangshalle, bestehend aus 325 Kugelsegmenten aus Metall, Durchmesser 9 cm, Höhe 2,4 cm, Montageraster 36 cm, Pulverbeschichtung in rot, dunkelrot, hellgrau und schwarz



Je nach Perspektive der Betrachterin und des Betrachters knüpft diese skulpturale Arbeit völlig verschiedene Beziehungen zum umliegenden Raum. Schaut man ein einzelnes Kugelsegment aus nächster Nähe an, so findet man auf seiner glänzenden Oberfläche die gesamte Eingangshalle der Grund- und Förderschule in der Kirchenstraße gespiegelt. Tritt man dagegen möglichst weit zurück, entfaltet sich im Zusammenspiel all dieser bunten Einzelteile eine große Struktur aus fortlaufenden geometrischen Formen. Erst während des Betrachtens setzen sich diese zusammen und vereinen sich dabei zu Quadraten, Rauten und Parallelogrammen, die ihre Gestalt lediglich durch die verschieden gefärbten Kugeln und deren unterschiedliche Abstände gewinnen. Mit minimalistischen und dabei höchst präzisen Mitteln stellt Afra Dopfer in dieser Skulptur Ordnung her. Eine strenge Ordnung, die aber nicht „ordentlich“ ist, sondern eben „strukturiert“, und damit nicht langweilig, sondern sinnvoll. Denn sie zieht die Wandfläche, die ja wegen Treppenaufgang, Galerie und Aufzugschacht nie komplett wahrgenommen werden kann, optisch regelrecht zusammen. Wie bei einer gemusterten Tapete lassen erst die Kugeln die Wand als ein harmonisches Ganzes erscheinen.
Es sind die Beziehungen von Strukturen und Räumen und auch deren wechselseitige Wirkungen aufeinander, denen Afra Dopfer in ihren Arbeiten gerne nachgeht. In diesem Falle übertrug sie die horizontalen (Halle), vertikalen (Aufzug) und diagonalen (Treppe) Bewegungsrichtungen der Kinder auf die Anordnung der Kugeln. Die knüpfen Kontakte, schließen sich in Grüppchen zusammen und gehen wieder auseinander. Genau wie die Schülerinnen und Schüler – in einem steten „Kommen und Gehen“.

Matthias Supé

Fotos: Peter Schinzler