Susu Gorth:
Luftschloss, 2018


Haus für Kinder - Kistlerhofstraße 127
Architekt: Füllemann Architekten, Gilching
 

Einzelwerk
   

Stahl, Styropor, 2k- Acrylharz, Glasfaser und Autolack
420 x 220 x 155 cm



Luftschlösser sind Bauwerke, die meist weit weg im Land der Träume gebaut werden, hoch droben zwischen den Wolken der Fantasie. Doch jetzt ist im Garten der Kinderkrippe an der Kistlerhofstraße ein „Luftschloss“ Wirklichkeit geworden: Die Münchner Bildhauerin Susu Gorth schuf das Kunstwerk aus lackierter Glasfaser und Styropor, das im Schatten eines Baumes über unseren Köpfen tatsächlich auf einer Wolke „schwebt“. Neun Metallstangen tragen in rund 2,20 Meter Höhe eine weiße Wolke. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass diese in neun Fragmente geteilt ist und das Fundament für eine goldene Stadt bildet, die darüber hoch ragt.
Es ist ein verwunschenes, verwinkeltes Schloss, das nicht nur an romantische Märchenbuch-Illustrationen, sondern mit seiner goldenen Fassung auch an mittelalterliche Darstellungen denken lässt. Einzelne Bausteine wie der 1,20 Meter hohe Rundturm und die vielen Erker erinnern an idealisierte Mittelalterburgen wie Ludwigs II. Neuschwanstein – und an Schloss-Kulissen, wie man sie aus Disney-Filmen kennt. Die Künstlerin schuf allerdings alle Architektur-Versatzstücke aus ihrer Fantasie, konkrete Vorbilder für das „Luftschloss“ gibt es nicht.
Susu Gorth arbeitet in ihrem bildnerischen Werk häufig mit räumlichen Umkehrungen, Dimensionsverschiebungen und überraschenden Material-Kombinationen, die beim Betrachten surreale Momente erzeugen. Ihre goldene Burg im Grünen wirkt märchenhaft entrückt und ist doch sehr real. Es bietet eine Art Kulisse für Geschichten, die in der Imagination der Kinder entstehen, wenn sie in ihrem Schatten spielen. So dient dieses Wirklichkeit gewordene „Luftschloss“ auch als Wahrzeichen: Als ein Denkmal der kindlichen Vorstellungskraft.

Roberta De Righi

Fotos: Eckhart Matthäus