Kurt Johannessen:
Light Waves, 2017


Zentrale Kanalbetriebsstation - Schleißheimer Straße 387
Architekt: Reinhard Bauer Architekten, München
 

Einzelwerk
   

Lichtinstallation, Durchmesser 200 cm
digital programmiertes LED-Licht,
11346 Leuchtdioden



Manchmal ermöglicht ausgerechnet ein Tunnelblick die Erleuchtung – jedenfalls hat das bei Kurt Johannessen so funktioniert. Der norwegische Künstler ging auf Entdeckungstour in die Münchner Kanalisation und ließ sich dort inspirieren für „Light Waves“, sein Kunstwerk am Bau der neuen Münchner Kanalbetriebszentrale.
Die Inspektion von nicht begehbaren, schmalen Kanalröhren per Video war die visuelle Anregung für Johannessens Lichtinstallation. Er entwarf für die Wand im Eingangsbereich des Gebäudes an der Schleißheimer Straße 387a eine kreisrunde, zehn Zentimeter starke Scheibe, in der hinter mattem Glas 11346 Leuchtdioden in 31 konzentrischen Kreisen angebracht sind. Darin pulsiert das Licht in einem computergesteuerten Langzeit-Rhythmus: Es bewegt sich von innen nach außen wie die Wellen ausgelöst durch einen Tropfen, der ins Wasser fällt.
Die Lichtdramaturgie wechselt dabei je nach Wochentag und Tageszeit. Während nachts und am Wochenende die Wellenbewegung nicht bis zum Rand reicht, sind die LEDs so programmiert, dass Frequenz und Lichtintensität an allen Werktagen im Tagesverlauf bis mittags zu – und anschließend wieder abnehmen. Anders als bei der Videoinspektion, bei der die Röhrenmitte stets im Dunkeln bleibt, wandern in „Light Waves“ Helligkeit und Dunkelheit abwechselnd von innen nach außen.
Kurt Johannessen, der Natur, Philosophie und Wissenschaft als wichtigste Koordinaten seiner Kunst nennt, sensibilisiert mit seiner ästhetisch minimalistischen, aber technisch aufwendigen Arbeit jede Besucherin und jeden Besucher, der das Haus betritt, für jenes Element, das am Arbeitsplatz der Kanalarbeiter ein seltenes Gut ist: das Licht. Zugleich erinnert die Scheibe in ihrer Form auch an einen Kanaldeckel und steht als Symbol für die Funktion und Bestimmung des Hauses.

Roberta De Righi

Fotos: Oliver Heissner