Elisabeth Lukas-Götz und Peter Götz:
Papperlapapp, 2017


Kinderkrippe - Hans-Goltz-Weg 1
Architekt: Kaufmann Architekten, München
 

Einzelwerk
   

Gestaltung der Garderobe und des Spielflurs



Wie muss Kunst beschaffen sein, die für kleine Kinder zwischen null und drei Jahren sinnvoll und angemessen ist? Das war die Ausgangsfrage für das Münchner Künstler-Paar Elisabeth Lukas-Götz und Peter Götz bei der Ideenfindung für ihr Kunstwerk am Bau der Kinderkrippe im Untermenzinger Hans-Goltz-Weg 1.
Das Ergebnis ihrer Überlegungen ist ein Erlebnisraum, der zum Schauen, Tasten und Staunen inspiriert. Die Künstler begriffen die zentralen Garderobenräume im ersten und zweiten Geschoss des Gebäudes als Gesamtkunstwerk, in dem Innenarchitektur, Bildhauerei und Malerei ästhetisch, zweckmäßig und sinnfällig zusammenwirken.
Die Wände sind mit einem regelmäßigen Rautenmuster in 13 verschiedenen Blautönen gestaltet. Blaue Sterne an den Rasterpunkten sorgen bei aller Geometrie für eine entrückt-märchenhafte Atmosphäre. Einen starken Kontrast dazu bilden die kantigen, fast skulpturalen Garderobenfächer und -bänke aus hellem Pappelholz, die in Handarbeit hergestellt wurden und durch die Beschaffenheit der Oberfläche den haptischen Reiz des Naturmaterials spürbar machen.
Zu beiden Seiten des Raumes öffnet sich je ein 1,20 Meter großes Rundfenster wie ein Bullauge zu den Nebenzimmern der Krippe. Dessen 55 Zentimeter tiefe hölzerne Laibung, im Unterschied zur Garderobe maschinell gearbeitet, ist zugleich Spiel-und Sitzmöglichkeit. Sie lädt Kinder dazu ein, hineinzusteigen und Eltern, sich hinzusetzen.
Darüber hinaus ließen die Künstler in die Wände des zur Garderobe führenden Korridors drei kreisrunde Elemente ein. In einem regt der Querschnitt eines Baumstammes mit zwölf kreisrunden Vertiefungen dazu an, hineinzufassen oder kleine Gegenstände hineinzustellen. Die beiden anderen Wandkreise bieten eine Art kindgerechtes „Kuriositätenkabinett“: Einer ist als Steckspiel gestaltet, in dem man Handschmeichler aus verschiedenen Hölzern und Plexiglas auf Holme stecken kann. Die Objekte sind dabei von reizvoller Vielfalt – mal amorph gerundet, mal markant geschliffen. Und im Kreis nebenan verlocken allerlei Alltagsdinge zum Anfassen, darunter ein Schwamm, ein Seifenhalter, ein Stück Bienenwabe und ein Rasierpinsel.
So verwandeln Elisabeth und Peter Götz die Garderobe in eine Wunderkammer, deren höhere Bestimmung im Wortsinne das kindliche Begreifen der Welt ist.

Roberta De Righi

Fotos: Henning Koepke