Nicolai, Olaf und Studio Dinnebier:
Freiham illuminata / Luce del respiro


Bildungscampus, Sportpark und Landschaftspark in Freiham
 

Einzelwerk
   





Stellungnahme der Kunstkommission:

Das Kunst-Licht-Projekt „Freiham illuminata // Luce del respiro“ für den neuen Stadtteil im Münchner Westen hebt sich von den anderen Beiträgen des Wettbewerbs dadurch ab, dass es ausschließlich das Licht selbst zum Thema macht. Im Zentrum steht eine Beleuchtung, die atmosphärische Qualitäten in großer Bandbreite erfahrbar werden lässt. Die jeweiligen Wirkungen ergeben sich u. a. durch unterschiedliche Lichtstärken, wechselnde Lichttemperaturen (von warmweiß bis kaltweiß) sowie differenzierte Bezüge zum natürlichen (Tages-)Licht. Die Lichtwirkungen werden auf Tages- und Jahreszeiten, äußere Anlässe oder die wechselnde Nutzung der Grünflächen durch Bewohner und Gäste abgestimmt.

Das bewusst breit konzipierte Spektrum an Lichtstimmungen soll sich dynamisch vermitteln, d. h. in subtilen Veränderungen wahrnehmbar sein. Es handelt sich dabei um eher langsam wechselnde bzw. länger anhaltende Lichteindrücke, d. h. das Pulsieren der Leuchtkraft oder ein Wechsel der Lichtfarbe vollzieht sich in großzügigen Einheiten. Es gibt also keine abrupten oder rhythmischen Veränderungen, eher sind diese über einen längeren Zeitraum beobachtbar und – vor allem von Anwohnern mit Ortskenntnis – unbewusst zu erspüren.

Nach Vorstellung von Künstler und Lichtplanern soll sich das Lichtarrangement aus Daten ergeben, die der Stadtteil selbst erzeugt. Welche Parameter für diese Daten genau zu Grunde gelegt werden – ob Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Lautstärke, Ruhezeiten von Tieren o. ä. – bedarf noch der Abstimmung und Spezifikation, ebenso die Methode der Datenauswertung. Die künstlerische Idee ist jedenfalls, Datenverläufe zu einer visuellen Komposition werden zu lassen, die die Stadt selbst „schreibt“. Darüber hinaus – so das künstlerische Konzept – sollte das die Daten verarbeitende System in der Lage sein, Licht- und Farbbewegungsmuster aktiv zu generieren. Die Lichtinstallation wird ihre Bezüge zu Freiham gewissermaßen „erlernen“.

Eine für das Konzept untergeordnete Rolle spielen sowohl der einzusetzende Leuchtentyp (hier wird lediglich ein anderes als das bislang geplante Modell empfohlen) als auch die vorgesehenen Standorte (die allesamt beibehalten werden sollen).

Die Arbeit überzeugt durch die außergewöhnliche und völlig neuartige Idee, die Grünanlagen und ihre Beleuchtung als lebendigen Organismus zu betrachten, der gewissermaßen „atmet“ und sich in Korrespondenz zu den Abläufen im Wohngebiet sowie zur Nutzung der öffentlichen Gebäude (Schulen, Sporteinrichtungen etc.) verhält. Die künstlerische Installation dürfte von den Bewohner/inne/n spielerisch erlebt werden und könnte für das neue Quartier identitätsstiftend sein.

In einer Stadt, in der der weltberühmte „Englische Garten“ für eine künstlich gesteigerte, quasi perfektionierte Schönheit der Natur steht, ist die hochtechnologisch erzeugte Vielfalt der Atmosphären (!) in den Gärten von Freiham eine zeitgenössische ästhetische Antwort. Die Weiterführung des Konzepts über den Realisierungsteil hinaus in den Landschaftspark empfiehlt die Jury mit Nachdruck und ohne Einschränkungen.

Fotos: