Karolin Bräg:
Wie heißt Du?, 2013-2020


Haus für Kinder und Jugendzentrum - Lissi-Kaeser-Straße 13
Architekt: Asböck Architekten, München
 

Einzelwerk
   

Ringförmige Holzbank, gravierte Messingschilder



Trotz vermeintlicher Erleichterung durch Internet und Mobiltelefon wird der Tagesablauf immer schneller, ja rasanter – im Gegenzug fordern Stadtplanerinnen und Stadtplaner sowie Soziologinnen und Soziologen, aber eben auch Künstlerinnen und Künstler eine „Verlangsamung“, eine „Entschleunigung“ des öffentlichen Raumes.
Genau dies hat sich die Münchner Künstlerin Karolin Bräg mit ihrem Projekt für das Kinder- und Jugendzentrum zur Aufgabe gemacht: Vor dem Eingang steht eine ringförmige, leichte Holzskulptur, die zum Sitzen und Verweilen einlädt. An den Seiten sind Messingschilder angebracht, auf denen – wie auf Schildern an Wohnungstüren – Namen stehen, und zwar die Vornamen von Kindern und Jugendlichen, die das Zentrum besucht haben. Karolin Bräg hat in ihrem Konzept für dieses Kunstprojekt geschrieben: „Die Begegnung zweier Menschen beginnt mit der Vorstellung des jeweiligen Namens. Sobald wir uns mit Vornamen ansprechen, beginnt eine bewusste Wahrnehmung des Anderen. Wir werden uns vertraut.“ Und weiter: „Der Vorname, häufig auch der Spitzname, prägt unsere Persönlichkeit mit und man vergisst nie die Namen der Freundinnen und Freunde, die man im Kindergarten oder in der Jugend gefunden hat.“
Im Laufe der Jahre werden so Hunderte von Namensschildern den Holzring schmücken. Die Kinder und Jugendlichen vollenden mit ihrer Persönlichkeit und mit ihrer Identität, mit ihrer Anwesenheit, aber eben auch mit ihrer Abwesenheit das Kunstprojekt, in das die Geschichte des Ortes und seiner Menschen „eingeschrieben“ wird.

Florian Matzner

Fotos: Jens Weber