Lali Johne:
Sommereinmaleins, 2001


Grundschule - Weilerstraße 1
 

Einzelwerk
   

Malerei in der Pausenhalle der Grundschule



Wenn Bilder zu Wörtern werden, verändert sich die Wahrnehmung. Lesen und Schreiben lernen, heißt die Welt in Kategorien und Begriffe einzuteilen. Ebenso wie es für Haus oder Schiff eine Grundform gibt, werden Farben durch einen Mittelwert dargestellt und funktionalisiert: Rot heißt Halt, Gefahr, Feuer, Grün signalisiert Gehen, Natur, Wiese, Freiheit. So notwendig dieser Lernprozess auch ist, so sehr bedeutet er doch eine Einengung. Es wird dabei nur eine Gehirnhälfte aktiviert, die andere, die kreative, für die Kategorien unwichtig sind, liegt brach. Wo alles von vorneherein feststeht, macht sich Langeweile breit, weil unser Gehirn nur dem Unerwarteten und Unvorhergesehenem besondere Aufmerksamkeit schenkt. Nichts aber, so lautete ein Lehrsatz, verzeiht das Gehirn weniger als Langeweile. Die Rettung kann nur von der künstlerischen Seite kommen. Ein Beitrag dazu ist der Bilderfries SOMMEREINMALEINS von Lali Johne, der seinen eigenen Farbrhythmus hat und doch keine Leseart vorschreibt. Rot, Gelb oder Grün sind hier weder funktionalisiert noch als Mittelwert festgelegt. Jedes einzelne Feld ist darin aus vielen Schichten aufgebaut, die die Wirkung der Farbe bestimmen, die wiederum die Farbe der benachbarten Quadrate beeinflusst und von diesen beeinflusst wird. So hängt jeder Farbspur mit dem Ganzen zusammen, und das Farbenspiel entfaltet sich wie eine Melodie, die frei im Raum schwingt. Lali Johne hat mit ihrem Bilderfries eine dauerndes sommerliches Blühen in die neue Pausenhalle gebracht, dessen Farben auch leuchten, wenn es draußen grau regnerisch ist. Hanne Weskott

Fotos: Stefan Müller-Naumann

 


Farbgestaltung in der Pausenhalle der Grundschule
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