Gregor Passens:
Ein Stein der Weisen, 2016


Neubau eines Förderzentrums Schwerpunkt geistige Entwicklung - Margarethe-Danzi-Straße 13
Architekt: Köhler Architekten+ beratende Ingenieure, Gauting
 

Einzelwerk
   

Sandguss in Bronze
Höhe ca. 6,4 m, max. Durchmesser ca.2,4 m
Gesamtgewicht ca. 3000 kg



Beim Teutates! Was ist das? Obelix ist zwar nicht mehr zu sehen, aber es muss der stärkste aller Gallier gewesen sein, der mitten im Innenhof des Förderzentrums an der Margarethe-Danzi-Straße einen riesigen Hinkelstein abgestellt hat. Der 6,4 Meter hohe (und etwa drei Tonnen schwere) Menhir (bretonisch für „langer Stein“) wirkt zwischen den in Reih‘ und Glied gepflanzten Platanen und Sitzbänken wie eine Botschaft aus einer anderen Welt. Was diesen Eindruck bei näherer Betrachtung noch verstärkt, ist die Tatsache, dass es sich bei dem ungewöhnlichen Objekt gar nicht um einen Stein, sondern um eine Plastik aus Bronze handelt.

Der Münchner Künstler Gregor Passens war es, der den dunkel schimmernden Hinkelstein schuf und ihn „Ein Stein der Weisen“ nannte. So nennt man in der Alchemie einen Stein, mit Hilfe dessen man diverse Metalle in Gold verwandeln kann. Mit den Materialeigenschaften spielt auch Passens: Das Modell für den Menhir fertigte er aus Styroporblöcken, die Oberfläche dieses Werkstoffes ist auch im Bronzeguss noch erkennbar. Solch minimale Verfremdungselemente lassen das rätselhafte vorzeitliche Zeichen des Hinkelsteins gegenwärtiger erscheinen. Und die Schulkinder können an ihm die haptische Qualität und die Klangeigenschaften der Bronze sinnlich erfahren: Ihn zu besteigen ist unmöglich, aber Anfassen und -klopfen unbedingt erlaubt.

Für den Künstler ist der Hinkelstein aber auch Beispiel früher Landschaftsgestaltung, denn der Stein, meist ein Findling, ist vom Menschen überformte Natur. Damit nimmt Gregor Passens Bezug auf den nahe gelegenen Nymphenburger Park, in dem sich die Elemente des streng geometrisch angelegten „Französischen Gartens“ und des möglichst natürlich inszenierten „Englischen Gartens“ mischen. So trägt „Ein Stein der Weisen“ zugleich als eine Art Landmarke zur Identitätsbildung des ihn umgebenden Neubauviertels bei.

Roberta De Righi

Fotos: Henning Koepke