Barbara Spaett:
Hausgeist, 2014


Kinderkrippe - Teutonenstraße 21
Architekt: Peck Daam Architekten, München
 

Einzelwerk
   

Aluguß, Höhe: 2,35 m, Durchmesser: 2,00 m



Von allen guten Geistern möchte keiner verlassen sein. Besser ist es, man hat immer einen parat. Auch ein neues Haus braucht einen guten Geist wie Barbara Spaett ihn geschaffen hat. Die scheinbar locker zusammengefügte Konstruktion von abgeformten Zweigen und Ästen ergibt eine offene Struktur und einen imaginären Raum. Eine Flasche, eine Tasse, Licht in Form einer Glühbirne und einen Trichter hat der Geist dabei, also alles, was man so zum Leben braucht. Ein Trichter? Na, der kann sicher einmal wichtig werden.
Der Geist scheint eher praktisch veranlagt zu sein, erzählt doch die Geschichte der Hausgeister oft von stillen Helfern und nicht nur von heimlichen Beschützern. Dass er voller Magie steckt, zeigen seine Grundstrukturen. Der Kreis des Fundaments und die runden Gerätschaften, der Dreifuß und das kleine Dreieck, in dem er zusammenläuft – dies sind auch Teile eines magischen Bildalphabets, das einem Hausgeist angemessen ist.
Das unvergängliche Metall und die lange Kunstgeschichte der Abformung der Natur stehen für die Tradition, die offene Konstruktion und der fehlende Sockel widersprechen den alten Vorstellungen vom Standbild. Aluminium erlaubt es, im Guss feine Strukturen wiederzugeben. Seine silbrige Oberfläche gibt zudem eine wertvolle Anmutung. Dies alles kommt Barbara Spaetts Materialverständnis, die Natur im Abguss zu verfremden, entgegen.
Der Hausgeist steht nun »hinterm« Haus. Dort ist er für dessen Bewohnerinnen und Bewohner da, gebietet aber zugleich Vorsicht: Man sollte ihn nicht ärgern. Er könnte sonst ein Plagegeist werden.

Andreas Strobl

Fotos: Florian Holzherr