Michael Schrattenthaler:
Welle, 2015


Haus für Kinder - Roßsteinstraße 8
Architekt: Bessing & Brokmeier Architekten, München
 

Einzelwerk
   

Betonfundament, Drainbeton, Edelstahlkörper, Fallschutzbelag
ca. 7 x 7 x 1 m




Der Eingriff, mit dem Michael Schrattenthaler die Terrasse des Kinderhauses umgekrempelt hat, ist minimal. Und doch ist danach nichts mehr so wie vorher: Als hätte sie jemand hochgeklappt, um einen Blick darunter zu werfen, so ragt die Ecke des Bodenbelags in die Höhe. Das ist nicht nur in ästhetischer Hinsicht bestechend, wirkt die massive Bodenplatte doch plötzlich biegsam wie ein Blatt Papier – nein, es ist viel mehr: ein subversiver Akt, eine radikale Veränderung des von der Architektur vorgegebenen Außenraums. Dies geschieht aber nicht destruktiv, sondern hat im Gegenteil eine Bereicherung zur Folge, ohne die – jetzt, da man um sie weiß – die Fläche nicht komplett wäre. Und diese Bereicherung findet nicht nur visuell statt, sondern ist für die Kinder der Tagesstätte auch ganz konkret erleb- und benutzbar: als kleiner Sandkasten, den die hochgeklappte Ecke freigibt. Mit reduzierten Mitteln vorgegebene Räume fundamental zu verändern, ist eine Spezialität von Michael Schrattenthaler, dem bei diesem Projekt sehr daran lag, dem durchgeplanten und mit Spielgerät bestückten Außenbereich des Kinderhauses nichts Materielles mehr hinzuzufügen, sondern ausschließlich mit dem Bestehenden zu operieren. Das Ergebnis: ein metaphorischer Aufruf zur Neugier an die Kinder des Hauses und darüber hinaus ein eindrucksvoll auf seinen Ort hin konzipiertes Stück Kunst voll unterschwelligem Witz und Charme, das aus einer kleinen räumlichen Veränderung maximale Wirkung zu entfalten vermag.
Matthias Supé

Fotos: Peter Schinzler