Oliver Westerbarkey:
Kinn Louis, 2014


Förderzentrum und Mittelschule - Innsbrucker Ring 75
Architekt: Felix Schürmann Ellen Dettinger Architekten, Münch
 

Einzelwerk
   

Holz, Lack, Glas, Scharniere: Edelstahl, Kunststoff
6,72 m x 2,80 m x 0,25 m



Je weiter man von der Vitrinenwand zurücktritt, desto größer das Aha-Erlebnis. Denn dann entfaltet "Kinn Louis" seine grandios gestaltete Illusion von Räumlichkeit. Dann erscheint das, was aus der Nähe betrachtet als regenbogenbunter Mix ulkig geschnittener Mini-Spinde daherkommt, wie ein dreidimensionaler Raum, dessen Wände und Boden aus rechteckigen Schließfächern bestehen. Und obwohl diese Illusion voll aufgeht, wird sie bereits vor ihrer Entstehung aufgelöst - denn man sieht von Anfang an, dass hier kein "echter" Raum vorhanden ist. Das ist besonders bestechend: Visuelles Trugbild und Realität oszillieren auf ebenbürtige Weise. Oliver Westerbarkey geht es dabei nicht um Effekthascherei, sondern um die Auseinandersetzung mit Räumlichkeit an sich. Es sind insbesondere die vom Menschen gemachten Vorstellungsräume (im buchstäblichen wie übertragenen Sinne), die ihn in seinen Arbeiten stets aufs Neue bewegen. Mit "Kinn Louis", einem gezielt genutzten, weil selbstbewusst klingenden Anagramm des Wortes "Inklusion", hat der Bildhauer den Kindern der Mittel- und Förderschule ein Display konzipiert, in dessen transparenten Vitrinen unterschiedlichste Objekte zu unterschiedlichsten, die Schulgemeinschaft bewegenden Themen ausgestellt werden können. Das Einschließen ihrer Ausstellungsstücke lässt Mittel- wie Förderschüler und - schülerinnen gleichwertig an der Fächerwand und damit am Schulleben partizipieren und ermöglicht individuelle Selbstbehauptung genauso wie Austausch und Kooperation. Selten wurde der Begriff "Inklusion" so sinnig auf den Punkt gebracht.

Matthias Supé

Fotos: Wilfried Petzi