Patricia Wich:
Windhasen, 2014


Kindertagesstätte - Arnimstraße 30
Architekt: Keiner Balda Architekten, Fürstenfeldbruck
 

Einzelwerk
   

Steinzeug, glasiert
variable Maße: max. Höhe: 1,95 m;
Gesamtlänge: 8,15 m; max. Tiefe: 0,25 m




Behutsam tastend eignen sich Kinder die Welt an, lernen buchstäblich sie zu begreifen. In dieser Entwicklungsphase stellt der Eintritt in den Kindergarten eine erste soziale Bewährungsprobe dar. Der Schritt in die neue Gemeinschaft mit anderen Kindern und fremden Bezugspersonen erfordert Mut, schenkt aber auch Erfolgserlebnisse. Für diese kindlichen Erfahrungen schuf Patricia Wich im Eingangsbereich einer Münchner Kindertagesstätte ein künstlerisches Äquivalent. Ihre wolkenartige, über acht Meter lange Wandplastik „Windhasen“ geleitet die Kindergartenkinder auf ihrem Weg von der Straße durch den Windfang bis ins Innere des Gebäudes. Das Werk besteht aus Keramik, deren unterschiedlich glasierte Oberflächen vielfältige optische wie haptische Reize bieten. Bewusst hat die Künstlerin alles in Weiß gehalten. Zum einen setzt sich die Plastik auf diese Weise deutlich von der farbigen, lärmenden Welt der Kinder ab. Zum anderen wirkt sie dadurch fast immateriell und wird zum märchenhaften, gleichsam unsichtbaren Begleitschutz für die Kinder. Und schließlich lässt sich im wolkigen Weiß-in-Weiß einiges entdecken, Strömungen, Wirbel und Strudel beispielsweise. Und wer genau hinschaut, findet auch die vielen kleinen Hasenfiguren, die darin versteckt sind und vielleicht Varianten kindlicher Persönlichkeiten verkörpern: Da sind die Neugierigen, die Forschen und unbekümmerten Wilden, aber auch die Verträumten, die eher Scheuen und Ängstlichen. Spielerisch werden die Kinder auf unbekanntes Terrain geführt, wo sie ein großer, mutiger und Feuer spuckender Hase erwartet.
Bernhart Schwenk

Fotos: Christoph Mukherjee