Heinz Pfahler:
Grönlandwalpaar, 2013


Haus für Kinder - Hardenstraße 18
Architekt: Peck Daam Architekten, München
 

Einzelwerk
   

Tonerdeschmelzzement, Basaltsplitt, Quarzsand,
Baustahl; ca. 200 x 100 x 45 cm und
ca. 310 x 129 x 55 cm; ca. 800 kg und 1200 kg



Zwei Wale, ein Größerer und ein Kleinerer, liegen nebeneinander im Sandkasten der Kinderkrippe an der Hardenstraße. Sie »schwimmen« im Sand und wirken fast so, als sei dies ihr Element.

Heinz Pfahler schuf die beiden zwischen 2,00 und 3,10 Meter langen Tierskulpturen aus dunkelgrauem Zementguss, die eine freundliche Trägheit ausstrahlen. Der Künstler wählte den Grönlandwal als Vorbild für sein Kunstwerk am Bau, weil jener der größte, langsamste und friedfertigste aller Wale ist. Seine beiden Tiere sind in ihrer Formensprache leicht stilisiert und wirken wegen ihres weich gerundeten Volumens wie friedlich-geduldige Spielkameraden, auf deren Rücken die Kinder reiten und von denen sie rutschen können. Bewusst entschied sich der Künstler für zwei Figuren, weil darin eine Beziehung wie die zwischen Mutter oder Vater und Kind angedeutet ist. So spiegeln diese beiden Säugetiere auch die enge familiäre Bindung wieder, die für die Kinder im Krippenalter von elementarer Bedeutung ist.

Doch darüber hinaus bieten die Wale einen weiteren Interpretationsspielraum – allerdings nur für Erwachsene: Der Wal war seit dem biblischen Leviathan sowie der Legende des Jonas im Walfischbauch bis hin zu Melvilles »Moby Dick« über lange Zeit als Meeresungeheuer besetzt. Das positive Bild des sanftmütigen – aber inzwischen auch bedrohten – Riesen stammt erst aus dem 20. Jahrhundert. Die zwei Wale im Münchner Sand sind einer kindlichen Ästhetik angepasst, ohne verniedlicht zu sein. So können sie für die Kinder zu Gefährten werden und spielerisch Achtsamkeit vermitteln gegenüber der Natur, die obgleich sie größer zu sein scheint als der Mensch, beschützt werden muss.
Roberta De Righi

Fotos: Florian Holzherr