Stefanie Unruh:
Vogellampe, 2014


Haus für Kinder - Herterichstraße 30
Architekt: Färbinger Rossmy Architekten Stadtplaner, München
 

Einzelwerk
   

Aluminiumguss, Lindenholz, Acrylfarbe,
Kabel, Leuchtmittel, Edelstahlseile,
700 x 200 x 200 cm



Es ist ein fast magisches Stelldichein: Im silbrig glänzenden Geäst, das im Treppenhaus der städtischen Kindertagesstätte an der Herterichstraße an Stahlseilen von der Decke hängt, treffen sich Harry Potters Schneeeule Hedwig und der Rabe Abraxas der kleinen Hexe. Des weiteren sind ein roter Amazonenpapagei, eine Blaumeise und eine Nachtigall auf den schwebenden Brettern gelandet. Und unten aus dem filigranen Konstrukt wächst ein ganzes Bündel aus Glühlampen hinab bis ins Erdgeschoss. Die Münchner Künstlerin Stefanie Unruh entwarf die fünf aus Holz geschnitzten und bemalten Vögel, die auf einem Gerüst mit täuschend echten Brettern aus Aluminiumguss sitzen. Und was ist das für ein Gebilde, auf dem die Vögel hocken: Ein luftiger Verschlag? Ein Nest? Eine Laube? »Vogellampe« nennt Unruh ihr Kunstwerk am Bau. Es ist ein etwas anderer Kronleuchter, der die Elemente der Natur aus der Umgebung in abstrahierter Form ins Innere des Gebäudes holt: Die durch das Material verfremdeten Bretter stehen für die Bäume, die das Gelände prägen. Die Leuchten setzen das natürliche Licht, dass durch das Oberlicht in der Decke einfällt, als künstliche Lichtquelle bis ins Parterre fort.
Das starke Grün der Wände und Geländer, das dem Inneren des Hauses seinen Charakter gibt, bietet die perfekte Kulisse, vor der Stefanie Unruhs fantastische Zusammenkunft ihre Wirkung entfalten kann. Ihre Installation bringt Gegensätzliches zusammen. Kontrastreich sind die Materialien und die Formen: kaltes Aluminium und warmes Holz; das rechtwinklige Brettergerüst und das Gewirr der Lampen. Diese leicht surreale »Vogellampe« regt die Fantasie an, weil sie mit den literarischen Vogelwesen Geschichten anklingen lässt, aber dennoch Raum für die eigene Vorstellungskraft bleibt. So weht ein Hauch von Märchenwald durchs Haus.
Roberta De Righi

Fotos: Peter Schinzler