Christian Heß:
Regenbogenregenwurm, 2014


Kindertageszentrum - Helmut-Käutner-Straße 14
Architekt: Susanne Söldner & Dirk Stender Architekten und Sta
 

Einzelwerk
   

eingefärbter Beton, 203-teilig
Durchmesser: 40 cm



Mehr als zweihundert Versatzstücke aus buntem Beton hat Bildhauer Christian Heß gebraucht – dann war der Wurm drin im Kindertageszentrum, und zwar gründlich. Im Garten taucht er auf, windet sich über eine Mauer, umschlängelt ein Blumenbeet und bohrt sich zurück in die Erde, nur um innen im Gebäude wieder durchzubrechen und dort sein Spiel weiter zu treiben. Weder der erste Stock ist vor ihm sicher, noch der umglaste kleine Innenhof im Erdgeschoss, in dem er ein letztes Mal überraschend erscheint und dann
verschwindet. So organisch er wirkt, so streng geometrisch struktiriert ist sein Aufbau: aus lediglich drei Typen von Bausteinen, die sich beim Zusammensetzen gegeneinander verdrehen und ineinander einrasten ließen, kreierte Christian Heß das pastellige Kriechtier. Das kommt harmlos
daher wie eine zu groß geratene Zuckerkette und erinnert mit seiner ungezügelten Anarchie doch auch an die gruseligen Wüstenwürmer einschlägiger Trash-Movies. Solch schelmische Komponenten finden sich oft in Heß‘ Arbeiten – ebenso wie der Bezug auf Systeme und deren (gestalterische) Grenzen, die der Künstler jeweils ausloten möchte. Im Fall des Regenbogenregenwurms ist das die zugrunde liegende geometrische Form des Kreises, festgelegt durch die verschiedenen Außenradien der Betonteile. Sie gaben die »Bewegungsmöglichkeiten« der Skulptur vor, ließen dem Künstler im Schaffensprozess aber dennoch Wahlmöglichkeiten – etwa in welcher Krümmungsrichtung er seinen Wurm kriechen lassen wollte. Damit geht es in dieser bonbonbunten Arbeit letztlich um die großen Fragen nach Freiheit und Begrenztheit – und denen kann man eben besonders gut dort nachspüren, wo der Wurm drin ist.
Matthias Supé

Fotos: Martin Weiand