Nan Hoover:
Lichtobjekt, 1999-2000


Münchner Kammerspiele - Falckenbergstraße 2
Architekt: Prof. Gustav Peichl, Walter Achatz Wien/München
 

Einzelwerk
   

U-förmige Stahlskulptur mit Lichtband



Kurz vor Vorstellungsbeginn herbeihastende Besucher werden die in der Rückwand des Foyers eingefügte Skulptur vermutlich erst einmal glattweg übersehen. Mit elegantem Understatement passt sich das U-förmige Kunstmöbel der zur Front hin verglasten Eingangshalle an, wirkt wie minimalistisch maßgeschneidert für das Probengebäude der Münchner Kammerspiele. Nan Hoovers "U" entfaltet seine doppelbödige ästhetische Prägnanz erst auf den zweiten Blick, dann aber um so nachhaltiger. Kaum dass man die braungetönte Skulptur ins Visier genommen hat, setzt sich eine analytischer Annäherungsversuch voller offener Fragen in Gang. Ist das markant in die U-Form eingelassene Lichtband zeichnerische Zutat oder geschütztes Allerheiligstes des Objekts? Fungiert der plastische Präsenz einnehmende Buchstabe als Symbol oder rein sich selbst verpflichtete Skulptur? Warum wirkt das mithin sieben Tonnen gewichtige Objekt im Grunde eher leicht und damit verschiebbar? Darf man auf dem horizontalen Balken des "U"s in der Theaterpause Platz nehmen? Zumindest letzteres lässt sich definitiv beantworten: Man darf! Theaterbesucher werden von diesem zu zweit belegbaren Logenplatz geradezu königlich das Treiben der Kammerspielgäste verfolgen können. Raffiniert hat Nan Hoover in ihrem Licht-Objekt künstlerische Autonomieansprüche mit möglichen Nutzungsgedanken kombiniert. "Als ich meinen Vorschlag für die Kammerspiele machte, berücksichtigte ich die Architektur, die Funktion des Foyers und die Bewegung der Menschen durch den Raum. Es war mir wichtig, dass das Licht-Objekt die Architektur ergänzt und zugleich als eigenständige Licht-Skulptur Gültigkeit besitzt." Und so findet sich in dem lichtgestützten "U" das Bewusstsein für eine möglichst aussagekräftige Ökonomie der Mittel eingeschrieben. Die Pionierin der Neuen Medien hat entgegen branchenüblicher Gepflogenheiten nie zur effekthascherischen Geste ausgeholt. Man darf es durchaus als Statement zum digitalen Overkill in der Kunst werten, wenn Nan Hoover in ihren multimedialen Arbeiten heute wieder stärker zeichnerische und plastische Komponenten betont. Birgit Sonna

Fotos: Christian Böhm