Elke Härtel:
Ohne Titel, 2013


Kinderkrippe - Ammerstraße 3
Architekt: Peck Daam Architekten München
 

Einzelwerk
   

Bronzeplastik
Figur 1,0 m, Baum 2,50 m x 0,15 m



Ein zierliches Mädchen in kurzem Kleid steht aufrecht auf einem fast astlosen Baumstamm und knetet kleine Klumpen. Selbstvergessen und hochkonzentriert, wie es nur kleine Kinder vermögen, widmet es sich seiner nicht auf Anhieb erkennbaren Tätigkeit. Formt das Kind selbst den Baum, auf dem es steht? Die Bronzeplastik des rund einen Meter großen Kindes auf einem etwa 2,50 Meter hohen, stark stilisierten Baum im Außenbereich der städtischen Kinderkrippe an der Ammerstraße stammt von der Münchner Bildhauerin Elke Härtel. Wie viele ihrer Figuren ist auch
dieses Kinderbildnis realistisch, doch dabei wirkt es auf eine sehr stille Weise ausdrucksstark und zugleich märchenhaft entrückt. Die Plastik aus Rohbronze betört durch die subtile Menschendarstellung ebenso wie durch den
zarten bildnerischen Gestus. Für die Gestalt des Baumes orientierte sich die Künstlerin an der Darstellung von Bäumen in Kinderzeichnungen: Sie zeigen häufig einen starken Stamm, aus dem ein paar Äste sprießen. Die Oberflächengestaltung des Stammes
ist von hoher Plastizität, die wenigen Blätter wiederum, die an den Zweigen hängen, sind golden glänzend poliert. Elke Härtels Kunst offenbart hohes handwerkliches Können ebenso wie äußerste Genauigkeit in Haltung und Ausdruck. Das Mädchen auf dem Baum ist eine Art Denkmal des kindlichen »Die-Welt-begreifen-Wollens«, ja des Wunsches, sie gar mit den eigenen Händen zu formen. Der Baum ist dabei zugleich Mittel zur und Resultat der Erkenntnis.
Roberta De Righi

Fotos: Florian Holzherr