Daniel Bräg:
Äpfel oder Birnen, 2013


Kinderkrippe - Ostpreußenstr. 84
Architekt: Florian Nagler Architekten, München
 

Einzelwerk
   

Vitrine aus Fichte, Glas, Einmachgläser, Glukose,
heimisches Obst aus dem Raum München:
Äpfel, Birnen, Quitten, Pflaumen, Zwetschgen,
Trauben, Mirabellen, Erdbeeren, Stachelbeeren,
Johannisbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren, Himbeeren
182,5 x 322,1



Licht fällt durch das große Fenster in die gläserne Vitrine. Ordentlich aufgereiht stehen darin Einmachgläser in unterschiedlicher Größe gefüllt mit Mirabellen, Äpfeln, Birnen, Quitten, Stachelbeeren und anderen Früchten. Die heimischen Obstsorten sind durchaus ein vertrauter Anblick, doch in Daniel Brägs Installation „Äpfel oder Birnen“ wirken sie so geheimnisvoll wie Exponate in einer Kunst- und Wunderkammer. „Einmachen ist eine unserer ältesten Techniken, um Lebensmittel zu konservieren“, erklärt er: „Doch in unserer Gesellschaft hat sie an Bedeutung verloren. Die meisten von uns kennen das Einmachen nur noch durch ihre Oma.“ Deshalb hat der Künstler für die Kinderkrippe an der Ostpreußenstraße eine Arbeit entwickelt, die den Kleinsten die Nutzbarmachung von Natur näher bringt.
Die Installation „Äpfel oder Birnen“ ist aber nicht nur eine spannende Lehrstunde zum Thema Naturerlebnis, sondern auch ein Beispiel für die gelungene Zusammenarbeit zwischen Künstler und Architekt. So hat Florian Nagler, der Architekt des Gebäudes, für ihn die Vitrine in der Fensternische entworfen, in der die Einmachgläser aufbewahrt werden. Die niedrige Holzbank davor kann von den Kleinen auch erklommen werden, um den Inhalt der Gläser noch näher zu betrachten. „Einmachen ist der Versuch, Vergänglichkeit aufzuhalten.“ sagt Bräg. Aber für die Ewigkeit sind auch diese Früchte nicht bestimmt. Mit der Zeit verlieren sie ihre frische Farbe, geben sie an die umgebende Flüssigkeit ab und verfärben sich langsam bräunlich. Wie Bernstein schimmern dann die Gläser im Sonnenlicht. So kann Brägs Arbeit auch einfach nur als ein wunderbares Naturbild gesehen werden, was einen jeden Tag aufs Neue überrascht. Auch die nächste Generation Kinder darf sich noch an „Äpfeln und Birnen“ erfreuen, denn die Früchte können nach 15 Jahren ausgetauscht werden.
Cornelia Gockel

Fotos: Hans Engels