Edward Beierle:
Walden D, 2014


Kinderkrippe Donaustaufer Straße 17
Architekt: Markus Zimmermann Architekt, München
 

Einzelwerk
   

Deckenmotive:beschichtete und bedruckte MDF-Akustiklochplatten, ca. 5 m x 4,5 m;
Wandmotive: 4C-Farbdruck auf Dekoposolstoff auf Aluminiumrahmen gespannt,
6,20 m x 2,78 m bzw. 3,90 m




In diesem Haus tut sich eine verwunschene Welt auf: Der Münchner Fotograf Edward Beierle schuf für die Kinderkrippe in der Donaustaufer Straße ein mehrteiliges Kunstwerk am Bau, das Bezug nimmt auf die Gegebenheiten des Ortes, aber durch Vertauschung elementarer Gegensätze eine fantastische Landschaft entstehen lässt. „Walden D“ lautet der Titel der Foto-Installation, mit der Beierle sowohl an das Hauptwerk von Henry-David Thoreau (1819-1862) anknüpft als auch an Walt Disney. Der amerikanische Lehrer und Schriftsteller Thoreau ist ein Vorreiter antiautoritärer Erziehung; er zog sich für zwei Jahre in die Einsamkeit der Natur zurück und verfasste dort sein Buch „Walden“.
„Ein See ist der schönste und ausdrucksvollste Zug einer Landschaft. Er ist das Auge der Erde. Wer hineinblickt, ermisst an ihm die Tiefe seiner eigenen Natur.“, schreibt er darin. Die zentrale Wand im Foyer der Krippe zeigt eine faszinierende Unterwasserwelt, einen im See versunkenen Wald. Das auf Stoffbahnen gedruckte Wandbild verbindet beide Stockwerke miteinander. Beierle ließ sich davon inspirieren, dass das einst ländliche Moosach nach dem kleinen Fluss benannt ist, der dort entspringt. Er drehte Fotografien eines Mooswaldes um 180 Grad, so dass die Stämme nach unten wachsen. Dazwischen schwimmen Forelle, Karpfen und Stichling, Hecht und Wels. Die Fische nach Vorlagen aus Naturkundebüchern sind in der Kontrastfarbe Orange vom fotografischen Hintergrund abgesetzt. Von außen, durchs große Fenster im Obergeschoss, glaubt man fast, in ein Aquarium zu blicken.
In den vier Schlafräumen dominiert das Element der Luft, Beierle holt quasi den Himmel nach drinnen: Hier können die Krippenkinder mit Blick in Baumwipfel einschlafen. Der Foto-Künstler ließ seine Wald-Aufnahmen auf lackierte Akustiklochplatten drucken. Die Kronen der Birken sind hell und licht, darüber wölbt sich strahlendes Blau, in dem - wiederum in Orange - Störche und Spechte fliegen. Und sein Konzept ist absolut auf die Nutzerperspektive hin ausgerichtet: Wenn man auf dem Boden liegt, wirkt dieser Illusionismus, der den Raum nach oben öffnet, am besten.
Roberta De Righi

Fotos: Judith Buss