Sabrina Hohmann:
Kleine Begleitung, 2014


Kinderkrippe Kasperlmühlstraße 7a - Kasperlmühlstraße 7
Architekt: Landherr Architekten, München
 

Einzelwerk
   

4-teilig, Betonguss und Mosaik aus Eternit-Schindeln
42 x 120 x 72 cm, 43 x 111 x 74 cm,
36 x 61 x 71 cm, 37 x 51 x 62 cm




Wie schön, dass bei der Fassadengestaltung der Kinderkrippe in der Kasperlmühlstraße auf die guten, alten Eternitschindeln zurückgegriffen wurde. Wer weiß, ob Künstlerin Sabrina Hohmann sonst auf die Idee zu jener Parade grün geschuppter Schildkröten gekommen wäre, die mit genau diesen Schindeln gepanzert sind und nun den Außenbereich der Anlage zieren? Es wäre ein Verlust, denn der gepanzerte Reptilien-Reigen ist viel mehr als nur ein optischer Gewinn, der mit latenter Ironie die Fassadenstruktur zitiert: nämlich ein subversives Statement. Während zwei der drei Tiere sich den Besuchern und Besucherinnen zuwenden und mit freundlicher Physiognomie zum Eintreten einladen, hat sich die dritte Schildkröte abgewandt und durchdringt das Mauerwerk, nur ihr grün geschindeltes Hinterteil und zwei rudernde Füße sind noch zu sehen. Indem sie scheinbar mühelos die Grenze zwischen Außen und Innen durchbricht, stellt sie genau diese Grenze infrage – ein zentrales Motiv in den Arbeiten Sabrina Hohmanns, die sich oft mit den Fragen nach Identität und Freiheit beschäftigt. Es sind nicht zufällig tierische Motive, denn die Begrenztheit menschlicher Existenz lässt sich doch gerade über den Kontrast mit der Natur besonders gut nachspüren. An der Rückseite des Hauses bricht schließlich eine vierte Schildkröte von Innen nach Außen und macht die Arbeit mit dem Titel "Kleine Begleitung" komplett. Unbeirrbar machen sich die Tiere in einer sympathischen Einheit der Selbstbestimmtheit auf den Weg. Ein schönes Sinnbild, gerade in einer Kinderkrippe.

Matthias Supé

Fotos: Christoph Mukherjee