Pia Lanzinger:
Der Hase und der Igel, 2014


Kinderkrippe Galopperstraße 3
Architekt: Moosmang Architekten, Gräfelfing
 

Einzelwerk
   

Hasenspuren als Putz-Reliefs,
verteilt über die Wandflächen von
Eingangsbereich, Treppenhaus und Fluren
2 Igel-Leuchtobjekte, Ø 75 cm



Was sind das für sonderbare Spuren, die über die Wände im Treppenhaus und den Fluren in der Kinderkrippe München-Riem führen? Es sieht aus, als habe sie ein Hase im schnellen Lauf in dem noch frischen Putz hinterlassen. Die Hasenspuren sind Teil des Kunstprojekts, das Pia Lanzinger für diesen Ort entwickelt hat. Inhaltlich ließ sich die Künstlerin von dem Märchen „Der Hase und der Igel“ inspirieren. Darin wird ein Hase von einem Igel zum Wettlauf aufgefordert, weil dieser sich zuvor über die krummen Beine des Igels lustig gemacht hatte. Der Igel gewinnt den ungleichen Wettkampf durch eine List. Denn er platziert seine Frau, die ihm zum Verwechseln ähnlich sieht, an das Ende der Rennstrecke. Der Hase fordert Revanche, doch immer, wenn er sein Ziel erreicht hat, taucht der andere Igel auf und ruft: „Ich bin schon da!“

Pia Lanzinger hat das Märchen ausgewählt, weil es nicht nur die Chancen des Schwächeren gegenüber dem Stärkeren unterstreicht, sondern auch, weil es ein Sinnbild für die Beschleunigung des Alltags in unserer modernen Gesellschaft sein kann. Das haben auch einige der berufstätigen Eltern bestätigt, die sich oftmals gehetzt wie der Hase fühlen. Anders als im Märchen sind Lanzingers Hasenspuren jedoch nicht gradlinig, sondern viel spielerischer. Sie durchziehen Treppenhaus und Flure, verschwinden hinter Mobiliar, tauchen an anderer Stelle unvermutet wieder auf – der Hase selbst ist jedoch immer schon weg. Die beiden Igel sind dagegen die Ruhepole, die als abstrahierte, semitransparente Kunststoffobjekte im Außenraum vor und hinter dem Gebäude stehen. Mit einem Leuchtmittel im Inneren ausgestattet, geben sie Orientierung in der Dunkelheit.
Cornelia Gockel

Fotos: Henning Koepke