Ina Ettlinger:
Kuambaticus etinati, 2014


Haus für Kinder Tollkirschenweg 8 - Tollkirschenweg 8
Architekt: Zwischenräume Architekten + Stadtplaner, München
 

Einzelwerk
   

Epoxidharz, Farbpigmente
4-teilige Arbeit im Innen- und Außenraum
2 x ca. 3 m x 1,50 m, 2 x ca. 1,50 m x 1,50 m



Der Tollkirschenweg führt zum Haus für Kinder, einem klar strukturieren Flachdachbau, der sich von den Giebelhäusern der Siedlung abhebt. Die Außenwand öffnet sich an einer Stelle bis unters Dach und lässt einen in die Architektur eingebetteten, frei zugänglichen Vorraum entstehen. Er markiert den Eingangsbereich mit seiner Türe und seinen über zwei Etagen reichenden Fenstern. Hier, in der Eingangszone, installierte Ina Ettlinger ihre Innen- und Außenraum verbindende Pflanzen-Skulptur „Kuambaticus etinati“: Ein Teil „wächst“ in der Empfangshalle im Gebäudeinnern, ein anderer „wuchert“ draußen unter der Decke des Vorraumes hoch zum Dach. Im Aufprall von rationaler Architekturgeometrie und organischem Skulpturengewucher entsteht eine Kunst-Architektur-Symbiose, die auch Parasitäres ins Spiel bringt.

In ihren früheren Arbeiten verwandelte Ettlinger Kleidungsstücke in Skulpturen und setzte dadurch die Muster der Stoffe dreidimensional frei; und sie entwickelte von ihr sogenannte „Ur-Parasiten“, Stoffbällchen mit umstickten Löchern und langen Fäden, die sie ohne Erlaubnis etwa in Ausstellungen auf Werken anderer Künstlerinnen und Künstler platzierte. Ganz in diesem Sinne haftet auch Ettlingers Installation, über Pflanzendekoration und Naturidyll hinausweisend, Freundliches und Beunruhigendes an: Handelt es sich um eine unbekannte Pflanze? Um die künstliche Vergrößerung einer bekannten Pflanzenart? Um einen Mutanten, eine gentechnologische Vision? Einen überhandnehmenden Pflanzen-Alien, der allmählich vom Gebäude Besitz ergreift? Gleichzeitig wirken die an ein „organisches Atomium“ erinnernden Kapseln freundlich wie eine Begrüßungsmaßnahme, die Ankommende bereits aus der Ferne auf den Eingang der Kindertagesstätte aufmerksam macht. „Kuambaticus etinati“ setzt Imaginationen in Gang und spielt mit dem Bild von Natur, das wir in uns tragen.
Heinz Schütz

Fotos: Wilfried Petzi