Pauline Deltour und Nitzan Cohan:
Run Run Run, 2014


Kinderhort an der Schöllstraße 17
Architekt: Zwischenräume Architekten, München; Lohrer Hochrei
 

Einzelwerk
   

Asphalt mit Strukturspritzbeschichtung (Polygrip/EPDM Granulat)
Länge ca.110m, Breite variable (1.75m - 4.95m)
Siegerpodest: Beton



„Der Weg ist das Ziel“ lautet einer der Sinnsprüche, die man ein paar mal zu oft gehört hat, um sie noch als Erkenntnis gelten lassen zu wollen. Aber wer sich auf Pauline Deltours und Nitzan Cohens wunderbar-verrückte Boden-Installation „Run Run Run“ einlässt, die das Künstler-Designer-Duo für die Außenanlage des Hortes an der Allacher Schöllstraße schuf, dem wird diese Weisheit auf ganz unaufdringliche Weise anschaulich.
Deltour und Cohen fügten dem zweigeschossigen Hortbau nicht einfach ein Kunstwerk zu, sondern reagierten auf die Besonderheiten der Anlage im Winkel zweier 80 und 100 Meter langen Zuwege. Sie entwarfen eine dreispurige Tartan-Laufbahn, deren Ausformung eher für den 'Hundertmeterlauf der Orientierungslosen' aus der Fernseh-Serie 'Monty Python's Flying Circus' geeignet ist als für die Bundesjugendspiele.
. Die drei Bahnen verschlingen sich mehrmals, schieben sich über- und untereinander, verjüngen und verzweigen sich - und bieten nur an einem der fünf Enden ein eher unscheinbares Siegerpodest. Eine der Abzweigungen endet unmittelbar vor der Glasfront der Hort-Empfangshalle. Der Eingang selbst liegt ein paar Meter daneben.
Der Geradlinige muss hier sein Ziel nicht aus den Augen verlieren. Doch die wahre Verlockung sind die Kurven und Kreise, die dem geneigten Läufer, folgt er ihnen und lässt den Blick schweifen, eine abwechslungsreichere Perspektive auf die großzügig angelegte, aber akkurat geordnete Umgebung aus Sportplatz, Grünflächen, Reihenhäuschen und Nutzbauten bieten.
So ist es mit „Run Run Run“ fast wie im richtigen Leben: Am schnellsten aufs Siegertreppchen kommen jene, die stur gerade auslaufen. Aber der Suchende ist kein Irrläufer: Wer den Abzweigungen, Schlaufen und Verschlingungen folgt, kann einfach mehr erleben. Und womöglich liegt das Ziel sogar neben der Spur.
Roberta De Righi

Fotos: Florian Holzherr